Italiens Ex-Premier Berlusconi ist einsam geworden

13. April 2015, 05:30
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Immer mehr Weggefährten sagen sich von dem früheren Premier los

Zu Ostern verkroch sich Silvio Berlusconi (78) in seine Märchenvilla Certosa auf Sardinien. Seither ließ er sich in Rom nicht mehr blicken. Fast scheint es, dass ihm der Politikbetrieb in der Hauptstadt verleidet ist. Dort beherrscht seit über einem Jahr Matteo Renzi die Szene. Der 40-jährige Premier und "Verschrotter" lässt den fast doppelt so alten Berlusconi praktisch täglich spüren, dass er auch ihn zum alten Eisen zählt. Das wäre an sich schon frustrierend genug. Doch noch deprimierender ist der Zustand von Berlusconis eigener Partei, der Forza Italia.

Von Sardinien aus muss Berlusconi zusehen, wie sich immer mehr seiner früheren Höflinge und Wasserträger gegen ihn auflehnen oder sich gleich ganz von ihm lossagen. Der jüngste Eklat ereignete sich an diesem Wochenende: Berlusconis früherer Regionenminister Raffaele Fitto, der schon seit Monaten den Kurs des einstigen Übervaters kritisiert, tritt nach einem Streit über die Kandidaten bei den Regionalwahlen in Apulien Ende Mai de facto mit einer eigenen Liste an.

Fitto ist nicht irgendwer: Der 45-Jährige war lange eine der größten Nachwuchshoffnungen der Berlusconi-Partei. Einige Tage vor dem Bruch mit Fitto hatte auch Sandro Bondi die Partei verlassen: Der frühere Kulturminister war der Hofpoet des Cavaliere und hatte unzählige Verse für den geliebten Führer gedichtet. Der Weggang des Treuesten der Treuen wurde von den Politikauguren Roms als Zeichen dafür gedeutet, dass sich nun wohl endgültig eine Ära ihrem Ende nähere.

Magischer Kreis mit Pudel

Noch vor wenigen Jahren vermochte die Strahlkraft des Cavaliere so unterschiedliche Parteien wie die separatistische Lega Nord und die nationalistische Alleanza Nazionale (AN) zusammenzuhalten. Inzwischen ist Berlusconi nur noch von seinem "cerchio magico", seinem magischen Zirkel umgeben. Dieser besteht im Wesentlichen aus der Abgeordneten Mariarosaria Rossi, seiner 49 Jahre jüngeren Verlobten Francesca Pascale und dem weißen Pudel Dudu. Die ehemalige Disco-Animateurin Rossi (46) ist für die meisten verbliebenen Forza-Italia-Mitglieder ein rotes Tuch: Berlusconi hat sie in der Partei zur allmächtigen Geschäftsführerin gemacht, die entscheidet, wer Zugang zum Patriarchen erhält und wer nicht.

Noch vor weniger als einem Monat, nach seinem definitiven Freispruch mangels Beweisen im Ruby-Prozess, hatte Berlusconi neue Hoffnung geschöpft: "Jetzt, wo diese traurige Geschichte erledigt ist, bin ich erneut bereit, mit der Forza Italia und dem ganzen Mitte-rechts-Lager ein besseres, gerechteres und freieres Italien aufzubauen." Der Adrenalinschub ist längst verpufft, der einst mächtigste und reichste Mann Italiens scheint mit seinem Latein am Ende. (Dominik Straub aus Rom, DER STANDARD, 13.4.2015)

  • Immer mehr früherer Höflinge und Wasserträger des ehemaligen Premiers Silvio Berlusconi lehnen sich gegen ihn auf.
    foto: ap photo/gregorio borgia

    Immer mehr früherer Höflinge und Wasserträger des ehemaligen Premiers Silvio Berlusconi lehnen sich gegen ihn auf.

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