Frustbuchtelgöttinnen

Einserkastl12. April 2015, 18:07
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Die Hymnendebatte geht weiter

Die Hymnendebatte kommt so verlässlich wieder, wie die Sonne im Osten aufgeht. Die Protagonisten wechseln. Die Botschaft bleibt gleich: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht, Frauen, die sich von der Altversion übergangen fühlen, haben nicht alle Tassen im Schrank.

Also eigentlich ist es ganz einfach: Frauen haben ja die Wahl. Entweder sie schließen sich der Meinung jener an, die die Änderung unmöglich finden. Dann sind sie laut Team Althymne stark. Göttinnen, die eine kleinliche Geste für ihr tief verwurzeltes Selbstbewusstsein nicht benötigen. Selbstständige, glückliche Amazonen eben. Die sich liebevoll mitgemeint fühlen. In aller Wertschätzung. Auch wenn sie gerade einen Sieg für Österreich einfahren und sich dennoch die Söhne um die Ohren schmettern lassen müssen. Eine weitere Option: dezentes Raushalten aus der Diskussion.

Sind Frauen hingegen laut und anderer Meinung, können sie sich warm anziehen. So schnell kann man gar nicht schauen, wie die Göttin in der öffentlichen Meinung zur geschmähten Frustbuchtel mutiert.

Göttin kann eben nur sein und bleiben, wer in aller Göttlichkeit auf Götter hört und ihrer Meinung, was sich für eine Göttin geziemt, widerspruchslos Folge leistet.

Neudichtung der Hymne würde zwar Kritik entkräften. Man kann allerdings darauf wetten, dass einige dennoch bei jener Version bleiben, die sie damals in der Schule gelernt haben. (Julya Rabinowich, DER STANDARD, 13.4.2015)

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    foto: apa/hans klaus techt
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