Äthiopier Lemma gewinnt Wien-Marathon

12. April 2015, 11:16
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2:07:31 Stunden drittbeste Marke aller Zeiten - Topfavorit Getu Feleke steigt ebenso aus wie der Österreicher Christian Pflügl

Wien - Und dann kam es doch anders. Die Ausgangslage war klar. Getu Feleke, wer sonst, hätte den 32. Vienna City Marathon gewinnen sollen, ja müssen. Der Äthiopier, im Vorjahr mit Streckenrekordzeit (2:05:41 Stunden) siegreich, hatte einen großen Teil des Startergelds beansprucht, da blieb nicht mehr viel für andere. Der 28-Jährige war mit der klar schnellsten Bestzeit (2:04:50) ins Rennen gegangen. Und Wien mag er, warmes Wetter mag er, das hatte er schon im Vorfeld versichert. Aber manchmal mag der Körper nicht. Nach 16 Kilometern stieg Feleke aus: Oberschenkelprobleme.

Bei den Frauen war die Ausgangslage nicht so klar. Die Deutsche Anna Hahner, im Vorjahr Überraschungssiegerin, war unter den Favoritinnen, ebenso die Kenianerinnen Caroline Chepkwony und Esther Chemtai. Von Maja Neuenschwander hatte man auch Notiz genommen. Sie sei in guter Form, hatte sie angekündigt. Und die 35-Jährige hielt Wort, sorgte für den ersten Sieg einer Schweizerin beim Wien-Marathon. "Das ist wirklich ganz cool. Dieser Sieg überstrahlt alles." Neuenschwander lief einen großen Teil des Rennens allein an der Spitze. Am Ende kam die Konkurrenz noch näher, aber nicht nahe genug. "Erst beim Abbiegen auf den Heldenplatz war ich sicher, dass ich das Ding im Sack habe." 2:30:09 Stunden brauchte Neuenschwander für die 42,195 km. Keine Weltklassezeit, knapp am persönlichen Rekord vorbei. "Der Wind war der Knackpunkt, dass es nicht zu schnelleren Zeit gereicht hat."

Unangenehmer Gefährte

Der Wind war der unangenehme Gefährte der rund 42.000 Läufer, die am Sonntag den Staffel-, den halben oder den ganzen Marathon in Angriff genommen hatten. Auch Sisay Lemmas. Der Äthiopier gewann dennoch - in 2:07:31, der drittschnellsten Siegerzeit in Wien. Glücklich war er, das sagte der 24-Jährige. Aber der Wind. Der habe wirklich gestört. Gerne wäre er schneller gelaufen. Aber nicht nur der Wind. Auch die Tempomacher! Lemma: "Very no good for me." Zu langsam seien sie gewesen. Er sagte das nicht nur einmal. Auch wenn die Frage eine andere war. Die Strecke, sagte er noch, habe ihm gefallen. "Kein Auf und Ab." Auch die Atmosphäre. "Sehr gut." Nächstes Jahr will er "sicher wiederkommen". Am Sonntag gewann Lemma 4:43 Minuten vor dem Kenianer Duncan Koech. Ein Rekordvorsprung in Wien. Lemmas Landsmann Gena Siraj wurde Dritter (2:12:48).

Bei den Frauen belegten die Kenianerinnen Agnes Mutune (+10 Sekunden) und Esther Chemtai die Plätze zwei und drei. Hahner wurde Fünfte. "Ich hätte keine Sekunde schneller laufen können." Christian Pflügl hätte schneller als alle Frauen laufen können, aber die Wade krampfte. "Es ist mir irrsinnig eingefahren. Ich habe nicht mehr auf den Fuß steigen können." Der Oberösterreicher (Bestzeit 2:15:58) beendete das Rennen ebenso vorzeitig wie der Kärntner Roman Weger.

Und so wurde der Tiroler Simon Lechleitner als Zwölfter (2:25:53) bester Österreicher. Das Rennen sei "dreimal so geil" gewesen wie die Marathons in Turin und Hamburg, die der 35-Jährige auch schon bestritten hatte. Die Österreicherinnen waren noch weiter von der Spitze entfernt. Am - nun ja - nächsten kam ihr Natalia Steiger als 17. (3:08:37). Am Ende sagte Athletenkoordinator Mark Milde: "Das Wetter hat nicht so richtig mitgespielt. Aber wir haben eine international vorzeigbare Siegerzeit gesehen." Es war die drittschnellste Marathon-Siegerzeit des Tages. In Paris gewann der Kenianer Mark Korir (2:05:49), in Rotterdam der Äthiopier Abera Kuma (2:06:46). (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 13.4.2015)

Ergebnisse des 32. Vienna City Marathons am Sonntag in Wien:

  • Männer: 1. Sisay Lemma (ETH) 2:07:31 Stunden - 2. Duncan Koech (KEN) 2:12:14 - 3. Siraj Gena (ETH) 2:12:48 - 4. Hosea Kipkemboi (KEN) 2:13:47 - 5. Suleiman Simotwo (KEN) 2:14:42.

Weiter: 12. Simon Lechleitner (AUT) 2:25:53 - 21. Philipp Aigner (AUT) 2:33:56

  • Frauen: 1. Maja Neuenschwander (SUI) 2:30:09 - 2. Agnes Mutune (KEN) 2:30:19 - 3. Esther Chemtai (KEN) 2:30:32 - 4. Caroline Chepkwony (KEN) 2:30:36 - 5. Anna Hahner (GER) 2:30:50.

Weiter: 17. Natalia Steiger (AUT) 3:08:37 - 18. Antonia Luchini (AUT) 3:08:45

Halbmarathon (21,097 km):

Männer: 1. Eric Rüttimann (SUI) 1:07:34. Weiter: 4. Robert Gruber (AUT) 1:10:29

Frauen: 1. Susanne Mair (AUT) 1:18:25

(Anmerkung: angegeben sind die international gültigen Bruttozeiten)

  • Trotz warmer Witterung eine flotte Zeit beim Wien Marathon 2015.
    foto: ap/zak

    Trotz warmer Witterung eine flotte Zeit beim Wien Marathon 2015.

  • Siegerin.
    foto: apa/neubauer

    Siegerin.

  • Sieger.
    foto: reuters/bader

    Sieger.

  • Bester Österreicher.
    foto: standard/christian fischer

    Bester Österreicher.

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