Moto E (2015) im Test: Wenig Kompromiss, viel Smartphone für Einsteiger

18. April 2015, 09:37
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Motorola liefert ein günstiges Android-Handy, dessen größter Konkurrent aus eigenem Hause kommt

Der US-Elektronikhersteller Motorola blickt auf bewegte Jahre zurück. Einst eine Größe im frühen Geschäft mit Android-Smartphones, manövrierte sich das Unternehmen mit der Zeit zunehmend in die Versenkung. Schließlich kaufte Google den Konzern und schürte damit Gerüchte, sich mit einem Haus-und-Hof-Hersteller selbst als Hardwareproduzent betätigen wollen. Motorola wurde zwar als Partner für das aktuelle Nexus 6 auserwählt, befindet sich aber mittlerweile unter dem Dach von Lenovo.

Doch unter Google-Ägide hat sich das Unternehmen gewandelt und wieder ins Rampenlicht zurückgearbeitet. Global ist die Firma mit einem Smartphone-Trio vertreten, das seit zwei Jahren aktualisiert wird. Das Moto X bedient den Highend-Bereich, das Moto G soll mit einem leistbaren Gerät die Mittelklasse bedienen und der jüngste Spross, das Moto E, richtet sich an Einsteiger. Der WebStandard hat die neueste Generation des Budget-Androiden getestet.

foto: derstandard.at/georg pichler

Das Moto E dürfte sich in strategischer Hinsicht weniger an westliche Märkte richten, die bereits ziemlich gesättigt sind, sondern an Kundschaft in Schwellenländern. Die Budgets der Käufer erlauben hier häufig wenig Spielraum, entsprechend sind günstige Smartphones gut nachgefragt.

Die Konkurrenz schläft aber freilich nicht. Lokale Hersteller sind mit eigenen Produkten schon länger vertreten und profitieren von Googles "Android One"-Programm, daneben wollen sich auch chinesische Firmen wie Xiaomi etablieren und auch Rivalen wie Microsoft greifen mit günstigem Smartphones an.

Die 2015er-Variante des Moto E erscheint in zwei Fassungen und wird ab rund 130 Euro verkauft. Eine unterstützt LTE-Konnektivität und bringt als Basis einen Snapdragon-410-Chip mit. Diese ist auch die Variante, die der WebStandard getestet hat. Das zweite Modell verzichtet auf LTE und läuft auf Basis eines Snapdragon-200, der eine etwas niedriger getaktete Grafikeinheit besitzt. In beiden Fällen kommt eine mit maximal 1,2 GHz operierende Quadcore-CPU zum Einsatz, die Leistungswerte dürften sich insgesamt nur geringfügig unterscheiden.

foto: derstandard.at/georg pichler

Das neue Moto E hat einen kleinen Wachstumsschub erhalten. Das Display erstreckt sich nun über eine Diagonale von 4,5 Zoll, die Auflösung ist mit 960 x 540 Pixel (qHD) unverändert geblieben. Wer sich oft mit Highend-Smartphones beschäftigt, wird bemerken, dass der Bildschirm hinsichtlich der Farbwiedergabe etwas blass wirkt und auch kontrastseitig nicht mithalten kann. Das darf bei einem Gerät dieser Preisklasse freilich nicht verwundern.

Die maximale Helligkeit geht unter diesem Gesichtspunkt in Ordnung, angenehm ist, dass der Bildschirm wenig spiegelt und die Farbstabilität auch bei sehr spitzen Betrachtungswinkeln gut ausfällt. Mit 245 PPI ist die Pixeldichte ebenfalls im akzeptablen Bereich, insbesondere bei Texten in kleinerer Schrift ist die Treppenbildung aber auch mit freiem Auge erkennbar.

In Sachen Verarbeitung setzt Motorola rundum auf Kunststoff, der allerdings einen soliden Eindruck macht. Anstelle der austauschbaren Rückseite des Vorgängers bringt die aktualisierte Version des Moto E nun einen abnehmbaren Rand mit, unter dem sich auch SIM-Slot und microSD-Steckplatz verbergen. Dieser war beim ersten Mal nur sehr schwer zu lösen, ließ sich in weiterer Folge aber ohne erhöhtem Kraftaufwand und akuter Fingernagelgefährdung lösen. Er fühlt sich spröde an und ist gleichzeitig einigermaßen verwindungsfreudig, was ihn zu einem potenziellen (wenn auch eben ersetzbaren) Schwachpunkt macht.

foto: derstandard.at/georg pichler

Ergonomisch lässt sich Motorola sonst höchstens vorwerfen, dass Lautstärke- und Einschalt-Taste am rechten Rand unüblich niedrig platziert sind. Somit bedarf es etwas Gewöhnung, um hier nicht gelegentlich die falsche Funktion auszulösen. Das Handy liegt mit 129,9 x 66,8 x 12,3 Millimeter gut in der Hand. Dank der Absenz eigener Hardware-Navigationsbuttons – sie sind ins System integriert – ist das Telefon somit kompakt genug, um in den meisten Situationen mit einer Hand bedient zu werden.

Zum weiteren Hardware-Gerüst zählen ein GB Arbeitsspeicher. Der interne Speicher wurde von vier auf acht GB verdoppelt und ist wie schon angedeutet per Speicherkarte erweiterbar. Neben mobilem Internet geht das Handy auch noch per WLAN (802.11n) ins Netz und beherrscht außerdem Bluetooth 4.0 und GPS/GLONASS-Navigation. Die Akkukapazität wird mit 2.390 mAh beziffert, der Energiespeicher ist fix verbaut.

Wie bei Motorolas X-, G- und E-Reihe üblich kommt Android in einer kaum veränderten Fassung zum Einsatz. Die Unterschiede zur "Vanilla"-Fassung bestehen in ein paar vorinstallierten Apps, darunter eine eigene Kamerasoftware und dem Active Display-Zusatz, der Uhrzeit und eine kurze Benachrichtigungsübersicht auch bei eigentlich ausgeschaltetem Bildschirm am Display pulsieren lässt. Die derzeitige Systemversion ist 5.0 "Lollipop", eine Aktualisierung auf 5.1 dürfte schon bald folgen.

foto: derstandard.at/georg pichler

Brauchbare Werte liefert das Gerät in den Benchmarks ab. Mit rund 22.400 Punkten wird es vom Allroundtest Antutu knapp hinter dem letztjährigen Zenfone 5 von Asus eingereiht. Im Browsertest mit Vellamo (rund 1.960 Punkte) liegt es zwischen dem Nexus 4 und Samsungs Galaxy S3. Beim 3D-Durchlauf mit Epic Citadel macht sich die eher niedrige Displayauflösung positiv bemerkbar, den Rundflug durch ein mittelalterliches Dorf und Schloss bewältigt das Moto E absolut flüssig mit durchschnittlich 59 Bildern pro Sekunde.

Auch im Alltagsbetrieb schlägt sich dies positiv nieder. Ruckeln ist nur sehr selten und kurz zu bemerkbar, lediglich App-Starts benötigen ein, zwei Ticks länger als auf Smartphones mit teurerer Hardware. Websurfen und Casual Games á la "Angry Birds" stellen das Gerät auch nicht vor Probleme. Grafisch aufwändigere Tasks und anspruchsvolle 3D-Games sind ihm allerdings nicht ohne Einbußen zumutbar, diesen Bedarf hat die anvisierte Zielgruppe allerdings ohnehin kaum.

foto: derstandard.at/georg pichler

Dass notwendigerweise der Sparstift angesetzt wurde, ist auch an anderer Stelle bemerkbar. Wie beim Vorgänger liefert die rückseitige Kamera des Moto E eine Auflösung von fünf Megapixeln, kann nun jedoch Videos in 720p aufnehmen. In puncto Bildqualität stellt sie einen Sprung nach vorne dar, wenn auch keinen großen.

Bei guten Lichtbedingungen, gelingen Schnappschüsse, die für Twitter, Facebook und Co. ausreichen dürften, auf Fotoplattformen oder im Familienalbum aber eher durchfallen. Während die Farbechtheit der Bilder auch unter Kunstlicht als akzeptabel eingestuft werden kann, fallen die Aufnahmen tendenziell immer etwas dunkel aus. Das auffälligste Defizit ist allerdings die schwache Reproduktion von Details. Mit eintretender Dunkelheit nimmt dann auch der Rauschfaktor merklich zu. Auf die Implementation eines LED-Blitzes hat Motorola abermals verzichtet.

Dafür gibt es nun auch auf der Vorderseite ein Kameramodul. Dieses liefert VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel) und erweist sich damit als absolute Notlösung für Videotelefonate. Als Selfiekamera ist sie nicht empfehlenswert.

foto: derstandard.at/georg pichler
Testfoto: Tageslicht, HDR

Bei der Soundwiedergabe macht das Moto E dort alles richtig, wo es zählt. Möchte man Musik hören, sollte man Kopfhörer nutzen. Denn der vorderseitige Lautsprecher, der auch gleichzeitig für normale Telefonate da ist, kann hier kaum überzeugen. Angenehm klar und laut funktionieren dafür Telefongespräche für Anrufer und Angerufenen, nur gelegentlich treten kleinere Verzerrungen auf. Der Empfang bei mobilem Breitband und WLAN ist außerdem gut.

Der Akku ist, soweit sich dies aus der kurzen Testphase schließen lässt, weder Schlappmacher noch Marathonläufer. Wer das Moto E nicht ständig zur Videowiedergabe oder zum Spielen verwendet, sollte durch normale Arbeitstage kommen, ohne Abschaltängste pflegen zu müssen.

foto: derstandard.at/georg pichler
Testfoto, Tageslicht

Fazit

In Summe bietet das Moto E ein attraktives Paket für all jene, die noch kein Smartphone besitzen, aber mit dem Gedanken einer Anschaffung spielen und eine ausgereifte Option für relativ wenig Geld suchen. Ebenso bietet es sich auch erfahreneren Usern an, die ein älteres Gerät ersetzen möchten und ihren Bedarf mit Kommunikationsaufgaben großteils abgedeckt sehen.

Viel Raum für Kritik lässt das Motorola-Handy angesichts seines Preispunktes nicht. Am ehesten sind hier wohl der materialtechnisch nicht hundertprozentig überzeugend wirkende, austauschbare Rahmen und die schwachen Kameras zu nennen.

Der größte Konkurrent für das Moto E kommt, wenn man von unbekannteren Marken wie Wiko absieht, wohl aus eigenem Hause. Für 40 Euro mehr erhält der Nutzer nämlich mit dem Moto G ein signifikantes Hardware-Upgrade in den meisten Belangen. Ein Preisunterschied, der den Griff zum Mitteklasse-Smartphone durchaus verlockend macht.

Weitere Testfotos:

foto: derstandard.at/georg pichler
Tageslicht, HDR
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Tageslicht
foto: derstandard.at/georg pichler
Tageslicht
foto: derstandard.at/georg pichler
Tageslicht / Kunstlicht
foto: derstandard.at/georg pichler
Kunstlicht
foto: derstandard.at/georg pichler
Frontkamera

(Georg Pichler, 11.04.2015)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerat wurde vom Händler Radio Höndl für begrenzte Zeit zur Verfügung gestellt.

Links

Motorola

Moto E

Nachlese

Moto G (2014): Das Android-Schnäppchen im Test

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