Wunderkind als blaues Wunder für die Hypo

11. April 2015, 15:00
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Der Investor, erst Hoch-, dann Tiefflieger und Helmut Kohls einstiges "Wunderkind" Lars Windhorst zählte zu den bunten Vögeln der Hypo-Klientel

Wien - Lars Windhorst ist wieder zurück. Der Investor, erst Hoch-, dann Tiefflieger, lässt sich bei Galadiners blicken, unterstützt kulturelle Einrichtungen wie die C/O Fotogalerie in Berlin oder die Serpentine Gallery in London. Das Comeback des einst von Helmut Kohl bei internationalen Wirtschaftsreisen herumgereichten Wunderkinds, das mit 14 seine erste Firma gründete und mit dem Zusammenbau von Computern Furore machte, wird aber nicht nur wohlwollend verfolgt.

Einige haben mit dem mittlerweile 38 Jahre alten Windhorst noch Rechnungen offen. Auch die einstige Hypo Alpe Adria zählt zu den vielen Gläubigern, die durch die Finger schauten. 29 Millionen Euro setzte sie bei Geschäften mit dem Finanzjongleur in den Sand. Das kam so: Vor Ausbruch der Finanzkrise waren sogenannte Warehousing-Geschäfte in, bei denen eine Bank Wertpapiertransaktionen auf eigenes Risiko für Kunden durchführt. Zahlt der Abnehmer nicht, bleibt das Institut auf den Beständen sitzen. Bonitätsrisiko sieht die Hypo 2007 bei Start der Deals nicht, da nur mit Partnern erstklassiger Kreditwürdigkeit gehandelt werde, wie es damals heißt.

Geschäfte machen süchtig

Doch die neuen Aktivitäten machen schnell süchtig, bald werden Limits überschritten und nicht genehmigte Geschäfte durchgeführt. Und: In einigen Fällen werden Windhorsts Gesellschaft Vatas Holding International die Wertpapiere trotz in der Zwischenzeit gestiegener Kurse zum niedrigeren Einstiegspreis weitergereicht. Die Hypo übernimmt somit das volle Risiko und verzichtet auf die Gewinnchancen.

Windhorsts Depot ist auf 78 Mio. Euro angewachsen, als seine Vatas ihren Abnahmeverpflichtungen nicht mehr nachkommt. Als das Finanzgenie 2009 nach dem Computergeschäft mit Vatas seine zweite Pleite hinlegt, muss die Kärntner Bank die Wertpapiere mit 29 Mio. Euro Verlust verkaufen.

Prinzip Hoffnung

Die Hoffnung, etwas zurückzubekommen, haben die Geldeintreiber der Bank allerdings nicht aufgegeben. Denn Windhorst ist wie gesagt in der Zwischenzeit wieder dick im Geschäft und leitet die Investmentfirma Sapinda in London. Sie steckt das Geld Vermögender in afrikanische Rinderzucht, in Kohleförderung oder in Öl- und Gasproduktion. Hinter Sapinda stehen neben deutschen Größen wie dem Unternehmer Georg Kofler (Ex-Premiere-Chef) oder Berater Roland Berger der südafrikanische Magnat Robert Hersov, der einem Milliardärs-Clan entstammt und Großaktionär der Air Berlin und des Internetdienstleisters Freenet war.

Einige der von Windhorst geprellten Investoren versuchen immer noch, außergerichtlich Gelder von Sapinda einzutreiben, die einst für Vatas bürgte. Auch die Hypo hat die Milliardäre an der Angel und setzt auf einen Vergleich.

Vorwürfe "völlig haltlos"

Druck gemacht hat sie dabei auch mit einer Anzeige, in der Vatas Täuschung vorgeworfen und strafrechtlich relevante Tatbestände in den Raum gestellt werden. Neben Windhorst wird auch Hersov belangt. Beide weisen alle Vorwürfe als völlig haltlos zurück. Der hergestellte Zusammenhang zwischen den 2008 mit der Hypo eingestellten Geschäften und der Liquidation der Vatas ein Jahr später sei "absolut unzutreffend", ließen die beiden Investmentbanker bereits 2011 die Wiener Zeitung wissen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 11.4.2015)


Bisher als Serienteile erschienen sind:

Best of Hypo: Wo die Milliarden hinflossen

Wie die Hypo VIP-Kunden unter die Arme griff: die Causa Hilltop


Die Serie basiert auf Recherchen für das Buch "Akte Hypo Alpe Adria" von Renate Graber und Andreas Schnauder, erschienen im Linde Verlag.

  • Lars Windhorst wollte immer schon hoch hinaus. Etwa 1996, als er das Modell für  einen nach ihm benannten Tower in Vietnam vorstellte. 2009 war er pleite.
    foto: ap/hermann knippertz

    Lars Windhorst wollte immer schon hoch hinaus. Etwa 1996, als er das Modell für einen nach ihm benannten Tower in Vietnam vorstellte. 2009 war er pleite.

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