Mailand zittert der Expo entgegen

10. April 2015, 17:31
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Explodierende Kosten und Verzug bei der Fertigstellung des Expo-Geländes lassen einen Flop befürchten. Noch hofft man in Mailand, dass ein Großteil der Strukturen irgendwie fertiggestellt wird

"Die Expo-Strukturen werden zwar nicht zeitgerecht fertiggestellt, doch begehbar sein", brachte Mailands Bürgermeister Giuliano Pisapia die Diskussion um das richtige Timing auf den Punkt. In drei Wochen, am 1. Mai, soll die Mailänder Weltausstellung Expo 2015 im nördlich von Mailand gelegenen Gelände Rho Pero feierlich eröffnet werden.

Staatspräsident Sergio Mattarella hat bereits seine Präsenz bei der Eröffnung des Events abgesagt. Insgeheim munkelt man, dass Mattarella empört sei, weil das Aushängeschild der Expo, der "Padiglione Italia", mit größter Sicherheit nicht fertiggestellt werde. Es handelt sich um den größten Pavillon in Form eines riesigen Baumstammes, ganz aus Marmor gemeißelt. Die Kosten der aufwendigen Halle sind um 50 Prozent explodiert. Auch bei den Pavillons von Russland und der Türkei gibt es Verzögerungen.

Mattarella ist nicht der Einzige, der bei der Eröffnung fehlen wird. Auch der famose Bühnenbildner Dante Ferretti droht mit seiner Absenz: Er befürchtet, dass sein Projekt bis 1. Mai unvollendet bleibt. Die Expo orientiert sich an historischen Vorbildern. Die Anlage des Geländes entspricht der einer antiken römischen Stadt.

Mafia als Verzögerungsgrund

"Decumanus" wurde die 1,4 Kilometer lange Hauptstraße getauft, an der die großen Pavillons liegen - gestaltet vom dreifachen Oscar-Preisträger Ferretti und Stararchitekten wie beispielsweise Daniel Libeskind. Hier sollten ab 1. Mai unter Sonnensegeln die Besucher flanieren.

Der Grund für die Verzögerung heißt Mafia. Denn vor einem Jahr wurden sieben Expo-Verantwortliche, Unternehmer und Politiker verhaftet. Die Milliarden-Aufträge entwickelten sich zu einer kolossalen Schmiergeldaffäre, an welcher das organisierte Verbrechen fleißig mitmischte. Aufträge wurden zurückgezogen, scharfe Kontrollen bei der neuen Vergabe eingeführt. Das kostete Geld und Zeit. Expo-Chef Giuseppe Sala meint, dass inzwischen die Korruption weitgehend unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Doch die Zeit läuft ihm davon. Und wenn auch 2600 Arbeiter Tag und Nacht auf dem 100 Hektar großen Expo-Gelände bauen und einrichten, Gärten und Wälder bepflanzen, so scheint es doch fraglich, ob bis 1. Mai alle Bagger weggeräumt und die Baustelle in ein Ernährungsparadies verwandelt werden kann. Sicher ist, dass sich der Österreich-Pavillon mit seinem bepflanzten Wald bereits in der baulichen Endphase befindet. "Wir werden rechtzeitig fertig sein", versicherte Michael Berger, Wirtschaftsdelegierter des AußenwirtschaftsCenter Mailand, dem Standard.

Erster Pavillon bereits offen

Der erste Pavillon wurde bereits eröffnet. Nicht etwa am Messegelände, sondern im Stadtzentrum, in der Triennale. Mit der Ausstellung Arts & Foods wird er dem Thema der Expo "Den Planeten ernähren, Energie für das Leben" voll gerecht. In einer Ausstellung über die Kunst des Essens werden Werke von bekannten Künstlern - von Monet bis Andy Warhol und De Chirico - gezeigt. Die von Germano Celant gestaltete Ausstellung mit ihren 2000 Werken, der Entwicklung der Essgewohnheiten und Kücheneinrichtungen in den letzten 150 Jahren, ist allein schon den Besuch der Expo wert. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 11.4.2015)

  • Nicht alle Bauten können bis zum Beginn der Weltausstellung am 1. Mai fertiggestellt werden. Mitgrund für die Verzögerung: Korruption.
    foto: apa/epa/pablo gianinazzi

    Nicht alle Bauten können bis zum Beginn der Weltausstellung am 1. Mai fertiggestellt werden. Mitgrund für die Verzögerung: Korruption.

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