Was auf eine einsame Insel mitnehmen?

Kolumne12. April 2015, 17:00
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Pinzette, Nasenhaarschneider & Co: Blinde Flecken beim Älterwerden, bei Sonnenlicht betrachtet

"Die Wartung", sagt Freundin K., "wird immer härter". Das sagt sie schon länger. Und niemals habe ich ihre Aussage bezweifelt. Aber mittlerweile denke ich fast täglich: Wie Recht sie nicht hat! Die Wartung wird nämlich wirklich immer härter. Kein Zweifel mehr. Nicht nur an Fußsohlen und Fersen, wo die Hornhaut dick und rissig wird, nein auch die Ellbogen fühlen sich zunehmend rau und faltig und an, wenn man nicht ständig und ordentlich dagegen an rubbelt, wie sonst nur am Postamt bei den Glück und Geldsegen verheißenden Losen.

Strumpfhosenfreie Zeit

Und ja, natürlich gibt es noch viel weniger periphere Problemzonen als Fußsohlen und Ellbogen. Und nein, auch dort wird es nicht einfacher. So schmerzhaft kurz vor strumpfhosenfreien Zeit fällt einem auf, wie trocken so eine Haut auf den Schienbeinen werden kann, wenn der Winter wieder hart und unerbittlich war. Aber wird ausgerechnet das Nachtkerzenöl auch bei hellem Tageslicht genügend und genügend schnell Wirkung zeigen oder der zunehmende Sonnenschein sämtliche dunkle und blinde Flecken unserer Selbstwahrnehmung zutage fördern. Ganz zu schweigen von der Armada an Gerätschaft, die da helfen soll, die wartungsintensiven Stellen zu beackern. Nasenhaarschneider!, habe ich früher mit schriller Stimme gerufen, was soll denn das bitte sein? Offen gestanden: Ich habe es immer gewusst, aber nie so sehr wie heute.

Nach oben offene Schmerzgrenzen

Die Frage, welche drei Dinge ich heute auf eine einsame Insel, die es ja so zum Glück gar nicht mehr gibt, mitnehmen würde, erübrigt sich hiermit fast. Nur so viel: Eine Pinzette ist ganz, ganz sicher im leichten Handgepäck. Und erst dann wird für Lese- und sonstigen Stoff gesorgt. Selber schuld, werden jetzt manche einwenden, wenn einem die eigene Eitelkeit oder - noch schlimmer - die Unterwerfung unter fragwürdige (und auch weniger fragwürdige) Schönheitsideale die Schmerzgrenzen schön nach oben hin öffnen, egal ob jetzt durchs Epilieren und Waxing - autsch! - oder sündhaft teure Kosmetika – auch autsch!

Große und kleine Wartungsarbeiten

Selbst mein gutes, altes Ö1-Radio ist jetzt auf den Zug aufgesprungen und spuckt ganz jugendliche Töne. "Jung bleiben beim Altwerden", so wird gerade die treue Klientel auf Kurs gebracht und die nächste Radiokolleg-Reihe angekündigt. Täglich ab 9 Uhr morgens, sicherlich ganz ideal zum Zuhören neben all den kleineren und größeren Wartungsarbeiten. (Mia Eidlhuber, derstandard.at, 12.4.2015)

  • Robben stören sich nicht an ein paar Barthaaren.
    ap

    Robben stören sich nicht an ein paar Barthaaren.

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