Klangforum mit Blitzen der Erregtheit

10. April 2015, 16:34
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Konzertabend mit den Solisten Annette Bik und Anders Nyqvist

Wien - Raus mit dem Farbkasten! Malen nicht nach Zahlen, sondern nach Tönen, hieß es beim Konzerthausabend des Klangforum Wien. In cinnabar (Zinnober), einem Doppelkonzert für Violine und Trompete, Spieldosen, Ensemble und Dirigent, ließ die britische Komponistin Rebecca Saunders vom Zentralton E wie aus einem dunklen, statischen Kern grelle Blitze der Erregtheit schießen, Ausbrüche von struppiger Zerrissenheit. Die Solisten Annette Bik (Violine) und Anders Nyqvist (Trompete) interagierten leider kaum, was vor allem Nyqvists stoisch-solipsistischer Spielweise geschuldet war. Schön der lichte G-Dur-Ausklang der Spieldosen: Per aspera ad astra.

Auch bei Toshio Hosokawas Drawing für 8 Spieler war das Werkende beeindruckend: ein sachtes Verenden. Die Geburtsvision war zwischen Schweben und fischschwarmartigen Motivteilen der Erregtheit aufgespannt. Als letzter Zehnminüter vor der Pause dann Johannes Maria Stauds Par ici! Trotz vielfältiger mikrotonaler Umstimmungen und ständig wechselnder Takt- und Temporelationen geriet seine Musik für Ensemble relativ gleichförmig; dramatischer, prägnanter das Finale.

Viel los bei Unsuk Chins Graffiti für großes Ensemble: harte Schnitte, einander überlagernde Klangblöcke, wilde Fugati im ersten Teil, Palimpsest; das mit Glockenklängen eingeläutete Notturno urbano war mit seinen silbermetallenen Klangflächen kaum Ruheinsel; die Passacaglia präsentierte sich mit einem Thema von eckiger Zerhacktheit. Alles sehr vielgestaltig, alles aber auch sehr fragmentarisch, uneinheitlich bei der koreanischen Komponistin. Famos das Wirken des Klangforum Wien wie auch des Dirigenten Bas Wiegers. (end, DER STANDARD, 11./12.4.2015)

Nächster Klangforum-Wien-Auftritt am 16. Mai bei den Wiener Festwochen

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