Wachstumsorientierte Anleger blicken nach Wien

12. April 2015, 12:00
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Wer investiert am Wiener Markt? Eine Studie zeigt, dass Norwegens Staatsfonds im Schnitt bereits zwei Prozent an jedem ATX-Prime-Titel hält

Wien - Aktien waren in den vergangenen Jahren ein fast sicherer Garant für Wertzuwachs. Viele Indizes, etwa der deutsche Dax oder der amerikanische Dow Jones, haben neue Höchststände verbucht. Auf der Suche nach Rendite sind Investoren auch wieder bereit, mehr Aktien zu halten, was der Anlageklasse Auftrieb verleiht. Von einem neuen Höchststand ist der Wiener ATX-Prime zwar noch weit entfernt, er hat heuer aber bereits rund 17 Prozent zugelegt.

Doch wer sind die Investoren, die in Wien veranlagen? Dieser Frage ist die Wiener Börse zum achten Mal nachgegangen, und es zeigt sich, dass vor allem internationale institutionelle Anleger (inklusive der österreichischen institutionellen Anleger) im Vorjahr ihre Anteile weiter erhöht haben und damit die größten Investoren im ATX-Prime bleiben.

Amerika liegt vorne

US-Investoren führen dabei das Länderranking an, gefolgt von österreichischen Investoren sowie von Institutionellen aus Großbritannien und Kontinentaleuropa. Ihr Engagement ausgebaut haben aber hauptsächlich die ausländischen Investoren - österreichische Fonds haben ihren relativen Anteil an heimischen Aktien leicht reduziert. Mexiko ist als Land aus der Top-10-Länderreihung gefallen, da América Móvil durch die Mehrheitsübernahme an der Telekom Austria zum strategischen Investor wurde und daher nicht mehr bei der Analyse des Streubesitzes berücksichtigt wird.

Innerhalb von Europa (siehe Grafik) gab es am meisten Interesse an den in Wien notierten Wertpapieren von institutionellen Investoren aus Frankreich, Norwegen und Deutschland - gefolgt von Investoren aus den Niederlanden, der Schweiz und Polen. Besonders interessant ist dabei der Anteil Norwegens, der größtenteils auf den staatlichen Pensionsfonds zurückzuführen ist. Der norwegische State Pension Funds ist weltweit der größte Investor - das gilt auch im ATX-Prime, wo der Fonds durchschnittlich zwei Prozent an jedem Emittenten hält.

Fokus auf Österreich

Die von Frankreich, Deutschland und der Schweiz gehaltenen Positionen sind wesentlich stärker diversifiziert, da viele große Investmenthäuser - Amundi, BNP Paribas, UBS oder Credit Suisse - zuletzt ihren Fokus auf österreichische Aktien gelegt haben. Auch Investoren aus China und dem Mittleren Osten zeigten im Vorjahr selektiv Interesse an einigen der größer kapitalisierten ATX-Prime-Emittenten und haben ihre Anteile über ihre Staatsfonds - wie dem China Investment Corporation, Kuwait Investment Office, Abu Dhabi Investment Council und Government of Singapore - erhöht. Von der Wiener Börse wird erwartet, dass diese Fonds einen Trend setzen und künftig mehr auf europäische Emittenten fokussieren werden, um von der lockeren Geldpolitik der EZB zu profitieren.

Als Hauptgründe für den Kauf österreichischer Aktien nannten die Investoren allgemeine Umschichtungen in der Asset Allocation in Richtung Europa, einen Fokus auf Markt- und Branchenführer sowie die Möglichkeit zum Stock Picking bei unterbewerteten Unternehmen in der Region. Wobei die Investoren die Schuldensituation, die politische und teilweise wirtschaftliche Instabilität einzelner Länder in Europa und Osteuropa genau beobachten.

Growth-Investoren führen

Insgesamt werden von den institutionellen Anlegern laut der Studie, die von Ipreo im Dezember 2014 durchgeführt wurde, 21,7 Mrd. Euro gehalten. 21,3 Mrd. Euro davon konnten genau zugeordnet werden. Demnach entfallen 17,2 Mrd. Euro (80,9 Prozent) auf internationale Investoren und 4,1 Mrd. Euro (19,1 Prozent) auf österreichische Institutionelle - darunter fallen Fonds (2,93 Mrd. Euro), Banken (0,39 Mrd. Euro) und Versicherungen (0,73 Mrd. Euro).

Ordnet man die Investoren nach ihrem Stil, so bleiben wachstumsorientierte Anleger führend bei den ATX-Prime-Emittenten, gefolgt von wertorientierten und passiven Investoren (Indexkäufern). Wertorientierte Investoren und Index-Investoren konnten 2014 Zuflüsse verzeichnen, während wachstumsorientierte Stile generell abnahmen.

Hedgefonds und andere alternative Investoren sind 2014 mit dem größten relativen Anstieg ihres Anteils auf den Wiener Markt zurückgekehrt. Hedgefonds haben ihren Anteil von 0,8 Prozent auf 2,2 Prozent ausgebaut. Investoren, die eine Dividendenstrategie verfolgen, haben ihre Anteile zuletzt aber abgebaut. Abflüsse gab es auch aus auf Osteuropa und Russland fokussierten Strategien. Politische und wirtschaftliche Risiken gaben Investoren dafür als Grund an.

ETFs holen auf

Der allgemeine globale Trend zu mehr passiven Investments (Kauf des Index mittels Exchange Traded Funds, ETFs), die weltweit überdurchschnittliche Kapitalzuflüsse erfahren haben, spiegelt sich auch an der Wiener Börse wider, da passive Investoren mittlerweile einen signifikanten Marktanteil einnehmen.

Der langfristige Vergleich (2007-2014) zeigt, dass sich innerhalb von Europa die Investoren breiter verteilen. US-Investoren führen aber in fast allen Jahren das Ranking in Wien an. UK-Investoren haben hingegen in den vergangenen acht Jahren Anteile verloren und wurden von österreichischen Institutionellen von Platz zwei auf Platz drei verdrängt.

In Summe hat sich der heimische Markt für Anleger im Vorjahr aber auch verändert. Denn durch die Kapitalmaßnahmen von FACC, Raiffeisen Bank International, Telekom Austria (infolge der Übernahme durch América Móvil) und Buwog hat sich der Streubesitz der österreichischen Emittenten im Vorjahr (inklusive Währungsschwankungen) von 38,1 Milliarden Euro auf 33,7 Milliarden Euro verringert.

Weit abgeschlagen

Und die Privatanleger? Diese bleiben nach den institutionellen Investoren mit einem Anteil von 6,9 Milliarden Euro - damit halten Herr und Frau Österreicher 20,5 Prozent des heimischen Streubesitzes - die größte Anlegergruppe im ATX Prime Market. Gehalten werden die Wertpapiere in diesem Fall auch direkt und nicht über Fondsbeteiligungen. Der Anteil von 20,5 Prozent am Streubesitz klingt zwar nach recht viel. Im internationalen Vergleich bleibt der Heimmarktanteil damit aber weit abgeschlagen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 10.4.2015)

  • Der Anlegerkreis am Wiener Parkett wird bunter. Norwegen zeigt starkes Interesse, ebenso China und der Mittlere Osten.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Der Anlegerkreis am Wiener Parkett wird bunter. Norwegen zeigt starkes Interesse, ebenso China und der Mittlere Osten.

  • Amerika führt das Länderranking der an der Wiener Börse veranlagten Investoren an.
    foto: heribert corn, daten: ipreo

    Amerika führt das Länderranking der an der Wiener Börse veranlagten Investoren an.

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