Rock mit Pferdekopfgeige und Obertongesang

10. April 2015, 15:28
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Die Formation Hanggai um Sänger Yiliqi verbindet westliche Rhythmen mit mongolischen Klängen und gastiert am Samstag in Tirol

Innsbruck - Hanggai ist das mongolische Wort für eine idyllische, unberührte Landschaft mit saftigen Wiesen, sanften Hügeln und rauschenden Bächen und möglichst auch noch unter strahlend blauem Himmel.

Hanggai, so nennt sich aber auch eine Band, die westliche Rhythmik und Rockmusik mit traditionellen mongolischen Klängen verknüpft. Zu den harten Schlägen des Schlagzeugs und den rocklastigen E-Gitarren-Riffs mischen sich die sanften Töne der zweisaitgen, archaischen Pferdekopfgeige und die urtümlichen und wohlig-klingenden Laute des mongolischen Kehlkopfgesangs.

Doch Bandgründer Yiliqi musste erst wieder zu seinen ethnischen Wurzeln finden. Als Kind verließ er mit seinen Eltern - sein Vater ist Mongole, seine Mutter Mandschurin - die Mongolei in Richtung Peking. Dort gründete er später seine ersten Bands, mit denen er sich ausschließlich dem Hardcore Punk verschrieb.

In wütenden No-Future-Texten sang er in englischer Sprache von Alkoholexzessen, bis ihm irgendwann die alten Volkslieder seiner Großmutter wieder in Erinnerung kamen. Er machte sich auf in die Stadt Xilinhot in der Mongolei und begann nach der Kultur und den Ritualen seiner Vorfahren zu suchen.

Bei einem berühmten Gesangslehrer erlernte er die Kunst des mongolischen Obertongesangs. Er gründete die Band Hanggai, kleidete sich in traditionelle Gewänder und sang ab nun nur noch in mongolischer Sprache. Und damit traf er offenbar einen Nerv.

Politische Relevanz

Hanggai gastierte bereits erfolgreich bei Rockfestivals in Europa. In China verschaffte sich die Band auch eine gewisse politische Relevanz. Sie bildet ein Gegengewicht zur chinesischen Mainstream-Kultur und ist ein Lichtblick insbesondere für all jene eingewanderten Mongolen, die ihre kulturelle Identität verloren haben. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 11./12.4.2015)

11. 4., Innsbruck, Treibhaus, www.treibhaus.at

  • Mongolische Musiktraditionen, aus dem Geist von Punk und Rock neu interpretiert: die Band Hanggai (mit zweisaitiger Pferdekopfgeige im Vordergrund).
    foto: asianetwork

    Mongolische Musiktraditionen, aus dem Geist von Punk und Rock neu interpretiert: die Band Hanggai (mit zweisaitiger Pferdekopfgeige im Vordergrund).

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