Rotes Kreuz und UNICEF brachten Hilfsgüter in den Jemen

10. April 2015, 14:47
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Hauptstadt Sanaa erneut bombardiert - Diplomaten: Sicherheitsrat könnte über Waffenembargo abstimmen

Dubai/Genf - Mit tagelanger Verspätung haben zwei Hilfsflüge des Roten Kreuzes und der UNICEF die jemenitische Hauptstadt Sanaa erreicht. Insgesamt seien mehr als 30 Tonnen dringend benötigte medizinische Hilfsgüter geliefert worden, teilten die beiden Organisationen am Freitag mit.

In dem verarmten Land kämpfen seit Wochen schiitische Houthi-Rebellen gegen Regierungstruppen, die von einer internationalen Allianz unter Führung des sunnitischen Saudi-Arabien unterstützt werden. Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen droht im Jemen eine humanitäre Katastrophe. 100.000 Menschen sind auf der Flucht. Mehr als 600 wurden bei den Kämpfen getötet.

Am Freitag wurden nach Angaben des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) unter anderem Arzneimittel, Verbandsmaterial, Infusionen und OP-Gerät geliefert. Sie sollen landesweit an Krankenhäuser verteilt werden. Eine weitere Maschine des IKRK soll in den kommenden Tagen folgen.

Die Rotkreuz-Helfer berichteten, Kliniken müssten immer wieder Menschen behandeln, die bei Luftangriffen oder Gefechten verletzt worden seien. Arzneimittel und Ausrüstungsgegenstände seien knapp. Besonders viele Verletzte gibt es der Organisation zufolge in der Hafenstadt Aden, die zwischen den Houthi-Rebellen und örtlichen Milizen umkämpft ist.

Luftangriffe auf Sanaa

Die von Saudi-Arabien geführte Allianz flog am Freitag erneut Angriffe auf die Hauptstadt Sanaa, die die Houthis eingenommen haben. Dabei seien etwa Waffenlager getroffen worden, berichteten Bewohner einer Nachrichtenagentur. Die Angriffe hätten sich über Stunden hingezogen. Der sunnitische Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi ist nach Saudi-Arabien geflüchtet. Die Houthis, die Verbindungen zum Iran haben, betrachten ihn als Vertreter sunnitischer Golfstaaten und des Westens.

Im überwiegend sunnitisch geprägten Pakistan sprach sich unterdessen das Parlament dafür aus, in dem Konflikt militärisch neutral zu bleiben. Saudi-Arabien hatte den Verbündeten um Kriegsschiffe, Flugzeuge und Soldaten gebeten. Die USA helfen der Allianz etwa mit Waffenlieferungen.

Der Konflikt könnte laut Diplomaten am Freitag oder Samstag im UNO-Sicherheitsrat zur Sprache kommen. Im Gespräch ist demnach, den Sohn von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh auf eine schwarze Liste zu setzen und faktisch ein Waffenembargo gegen die Houthis zu verhängen. Unklar ist, wie sich die UNO-Vetomacht Russland verhält. Diplomaten zufolge sollte ein Embargo nach russischer Ansicht auch für die jetzige Regierung gelten. (APA, 10.4.2015)

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