Netzneutralität: Wichtig für die Informationsfreiheit

Kommentar10. April 2015, 13:20
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Der freie Zugang geht vor Interessen von Telekomunternehmen

Nicht Netflix oder das Piratenportal kinox.tv, sondern die ORF-TVthek ist Österreichs beliebteste Online-Videoplattform. 931.000 Seher nutzen die Mediathek monatlich, was einer durchaus stolzen Monatsreichweite von 15,2 Prozent der Internetuser in Österreich entspricht. Diese Zahlen sind wichtig für die Diskussion rund um die Netzneutralität. EU-weit sind Mobilfunker gerade dabei, diese zu beseitigen oder deren Einführung zu verhindern. Stattdessen will man eine kostenpflichtige Überholspur im Internet einführen. Nur wer zahlt, soll sich sicher sein, dass seine Videos, sein Online-Lexikon oder sein Videogame mit der notwendigen technischen Unterstützung – also mit der notwendigen Geschwindigkeit – von den Konsumenten genutzt werden kann.

Eine Idee, die auch Teilen der EU-Kommission gefällt, versprechen doch die Mobilfunker als Gegenleistung für die Überholspur den Ausbau der Telekomnetze. Während sich betuchte Internetriesen wie Google, Microsoft, Netflix und Facebook locker Überholspuren leisten könnten, sieht es bei den meisten Start-ups oder mittelständischen Unternehmen anders aus. Sie hätten mit den zusätzlichen Kosten zu kämpfen.

Ein Problem, das auch Medien treffen kann. Wenn etwa die "ZiB 2" oder Enthüllungsvideos von britischen Zeitungen über korrupte österreichische Minister zwar im Netz angeboten, aber nicht abgerufen werden können, weil Mobilfunker den Zugriff zu diesen Informationen reglementieren. Der freie und gleichberechtigte Zugang zu Medien geht vor Interessen von Telekomunternehmen, denen vor allem der Gewinn am Herzen liegt. Das sollte die Regierung auch beim staatlich geförderten Breitbandausbau beherzigen, der in den kommenden Wochen startet. (Markus Sulzbacher, derStandard.at, 10.4.2015)

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