Polen: Mehrheit glaubt nicht an Anschlag auf Präsidentenflugzeug

10. April 2015, 14:38
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Fünf Jahre nach dem Absturz in Smolensk: Nur ein Fünftel der Bevölkerung sieht Verschwörung

Obwohl die oppositionelle Rechtspartei PiS ("Recht und Gerechtigkeit") darauf beharrt, dass der Absturz der polnischen Präsidentenmaschine in Smolensk auf einen Anschlag zurückzuführen sei, schenken nur wenige Polen dieser Verschwörungstheorie Glauben. Bei der Katastrophe vor fünf Jahren kamen der damalige Präsident Lech Kaczyński und weitere 95 Personen ums Leben.

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Millward Brown im Auftrag der Zeitung "Gazeta Wyborcza", für die Ende März 1.003 Erwachsene befragt wurden, ergab, dass der Anteil der Bevölkerung, der im Gegensatz zu den offiziellen Untersuchungsergebnissen glaubt, Besatzung und Passagiere seien einem Anschlag zum Opfer gefallen, nur 22,4 Prozent beträgt.

Druck auf Piloten

Für mehr als ein Drittel der Befragten (37 Prozent) ist es am wahrscheinlichsten, dass großer Druck auf die Piloten zum Absturz geführt hat. Kürzlich aufgetauchte Abschriften der Aufzeichnungen des Cockpit-Stimmenrekorders deuten darauf hin, dass sich nicht nur Luftwaffengeneral Andrzej Błasik, sondern auch Protokollchef Mariusz Kazana vor der missglückten Landung in der Pilotenkanzel aufhielt.

Immerhin 34 Prozent der Befragten geben den Piloten die Alleinschuld, für 29 Prozent war "allgemeines Durcheinander der für den Flug verantwortlichen Institutionen" die Hauptursache für den Unfall. Die Umfrageteilnehmer konnten zwei der sechs Antworten auswählen, die beiden letzten waren "anderer Grund" und "weiß nicht".

Bildung hilft

Am größten ist der Anteil derer, die trotz offizieller Untersuchungsergebnisse von einem Anschlag ausgehen, mit 34 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen. 39 Prozent der Polen, die nur über einen Grundschulabschluss verfügen, glauben an einen Anschlag, in der Bevölkerungsgruppe mit höherer Bildung sind es nur 17 Prozent.

Sozialpsychologin Krystyna Skarżyńska von der polnischen Akademie der Wissenschaften sagte zur "Gazeta", dass sich der Glaube an eine Verschwörung mit Argumenten schwer bekämpfen lasse: schließlich biete die Verschwörungstheorie Personen, die ihrer Umwelt generelles Misstrauen entgegenbringen und überall Bedrohungen sehen, eine einfache Erklärung. (bed, derStandard.at, 10.4.2015)

  • Gedenken an den Absturz in Warschau, April 2013.
    foto: epa/rafal guz

    Gedenken an den Absturz in Warschau, April 2013.

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