Analog brennt rot

11. April 2015, 12:00
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Matthias Herrmann in der Wiener Galerie Steinek

Wenn Matthias Herrmann fotografiert, erinnert er Bilder. Es sind daher keine Fundstücke, die er von Reisen - wie jener Ende 2014 an die Westküste Kaliforniens und in die Wüste Mojave - mitbringt, sondern Hommagen. Das Lichtspiel auf der Wasseroberfläche eines Pools widmet er David Hockney und Peter Schlesinger, eine Matratze und anderen weggeworfenen Unrat in der staubigen Ödnis Fotoikone Jeff Wall. Dass man hier einst Land an Siedler verkaufen wollte, indem man Apfelsinen an die Palmen steckte, sind Geschichten, die der Betrachter erst angeregt durch Titel wie Desert Oranges abspult.

Die Momentaufnahme als Speicher und Archiv ist ein Thema von Herrmanns Ausstellung On Photography in der Wiener Galerie Steinek. "Über Fotografie" erzählt in der Schau aber auch eine andere 2014 entstandene Werkserie des 1963 in München geborenen Künstlers. Sie erinnert an die analoge Technik: Für Untitled Still Life baut er Arrangements aus Filtern und Fotopapierkartons, aus in der digitalen Bilderwelt obsolet gewordenen Utensilien, und würzt sie mit der Erotik seiner Cocks-Bilder, mit erigierten Phalli, die wie Fackeln brennen. Verzehrendes Feuer - oder lodernde Passion? (kafe, Album, DER STANDARD, 11./12.4.2015)

Bis 18. 4., Galerie Steinek

Eschenbachgasse 4, 1010 Wien

www.galerie.steinek.at

  • Nicht die flüchtige Impression, sondern die fotografische Referenz bestimmt diese vergangenen Dezember in der Mojave-Wüste entstandene Aufnahme von Matthias Herrmann: "Homage to Jeff Wall".
    foto: matthias herrmann

    Nicht die flüchtige Impression, sondern die fotografische Referenz bestimmt diese vergangenen Dezember in der Mojave-Wüste entstandene Aufnahme von Matthias Herrmann: "Homage to Jeff Wall".


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