Der Staatskommissärin ist nichts zu schwärin

Kolumne10. April 2015, 17:00
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Ein Austro-Beruf mit Zukunftspotenzial

Mieselsüchtiges Österreich. Kaum hat der Hypo-U-Ausschuss mit seiner Arbeit angefangen, da geht auch schon das Gemecker los: zu viele Akten, zu anonyme Zeugen, zu viel Geheimniskrämerei, grad so, als ob die Staatsbürger wegen ein paar läppischer Steuermilliarden ein Anrecht darauf hätten, über die Ratschlüsse unserer Regierungen aufgeklärt zu werden! So verfestigt sich in der Öffentlichkeit flugs der Eindruck: statt U-Ausschuss wieder ein U-Ausschas.

Das ist ungerecht, weil uns der Hypo-U-Ausschuss gleich am ersten Tag wertvolle Informationen geliefert hat: nämlich über den schweren Beruf der "Staatskommissärin". Nach der Aussage von Frau Kanduth-Kristen, die vom geföhnten Karl-Heinz bestellt wurde, ist klar, welche drei Kompetenzen eine Staatskommissärin braucht: nichts wissen, nichts tun und sich an nichts erinnern. Dass Kanduth-Kristen überhaupt schwante, "Hypo" könne für eine Bank stehen und nicht für einen Energydrink, war eine echte Überraschung.

Viele Österreicher entsprechen dem Anforderungsprofil einer Staatskommissärin perfekt. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wäre es daher eine gute Idee, viele neue Staatskommissärinnenposten zu schaffen.

Deren Aufgabe etwa in der Nationalbank bestünde darin, nichts über die OeNB zu wissen, nichts in der OeNB zu tun und sich im Falle eines unerwarteten U-Ausschusses an nichts in der OeNB zu erinnern. Überstundenzuschläge ("Mittwoch, 8. April, von 17 Uhr bis 22 Uhr rein gar nichts getan") sollten im Sinne des österreichischen Staatsnihilismus selbstverständlich sein.

Zur Sicherung des Staatskommissärinnenbedarfs wären neue Staatskommissärinnen-FHs nötig, die die entsprechenden Kompetenzen lehren. Hier ein Ausschnitt aus dem Curriculum:

  • Kreditwürdigkeit für Dummies Einführung in die angewandte Bonitätsignoranz.
  • Nix wissen, prächtig kassieren Seminar "Ökonomisches Fuhrwerkenlassen für leicht Fortgeschrittene".
  • Der Steuerzahler springt eh ein Wie man fachgerechtes Absahnen im Bankwesen übersieht (Übung).

Nach Absolvierung dieser Prüfungen winken akademische Titel wie "Bachelor der U-Ausschuss-Amnesie (BU)" und "Master des Milliardengrabs (MM)". Sehr gut so! Denn zur Herstellung eines Gesamtkunstwerks wie der Hypo-Pleite braucht es einfach viele qualifizierte Kräfte. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 11./12.4.2015)

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