Wenn Junge Ältere führen, kracht es oft gewaltig

10. April 2015, 11:08
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Wenn Ansprüche, Lebensmodelle, gewohntes Arbeiten und jugendliches Führungsverhalten aufeinandertreffen: Im Generationenmix sind eine Menge Konflikte programmiert

Wien - Gewohnte Normen geraten in Organisationen zunehmend durcheinander - auch durch Teams, in denen Junge Älteren vorgesetzt sind. Da gilt dann nicht mehr, dass mehr Lebensjahre automatisch mehr Kompetenz und mehr Status bedeuten - Funktion allerdings auch nicht automatisch Führungsvermögen. Daraus ergibt sich gewaltiges Konfliktpotenzial, sagt Coach und Beraterin Ingrid Kösten.

Reibereien in Teams mit solcher Konstellation im Generationenmix entstünden oft allein schon durch basale Interessenunterschiede: einerseits Jüngere, die aufsteigen, etwas werden wollen, andererseits Ältere, die nach einem Vierteljahrhundert nach Abrundung des Arbeitslebens streben. Anwesenheitskulturen prallen auf selbstverständliches mobiles Arbeiten (warum ist der junge Chef nie da?), Führung via SMS erzeugt Widerstand, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen plus permanenter Change machen auch nicht gerade lockerer, und: Strukturen, wie Wissen weitergegeben, bewahrt oder erst in seiner Fülle der Erfahrung gehoben werden kann, fehlen oft.

Unter Druck

Dabei, beobachtet Kösten, seien junge Führungskräfte oft auch unter Druck, mit schnellen Lösungen zu kommen, um dem Effizienz-Imperativ gerecht zu werden. Aber, so weit auch Erfahrungswissen: "Die Tippliste und das schnelle Rezeptbuch sind keine Führungswerkzeuge, die in solchen Situationen gut wirksam sind."

Wie also herangehen? Kösten gibt in ihren Seminaren und Coachings im Wesentlichen Anleitungen zu Reflexion und Selbstreflexion. Generationenmix, ist sie überzeugt, kann nur gelingen, wenn Verständnis und Einsicht in die verschiedenen Lebensfelder, Lebensphasen und ihre Ansprüche gegeben sind. Kösten: "Wir müssen in den Dialog kommen zwischen den Generationen. Die demografische Entwicklung wird einen solchen Notstand in Organisationen bringen, dass große Erschütterungen entstehen. Das wird Unternehmen zum Agieren zwingen." (kbau, DER STANDARD, 11.4.2015)

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