Internationales Flair von Dornbirn bis Eisenstadt

Ansichtssache14. April 2015, 09:00
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Wien - In so mancher österreichischen Kleinstadt sorgen sie für frischen Wind - etwa wenn eine Gruppe junger Studierender über den Dornbirner Marktplatz schlendert und man lautes Gelächter und spanische Wortfetzen aufschnappt. Internationale Studierende gehören längst zu den Fachhochschulen - aber das war nicht immer so: 1994 waren es nur 19 ausländische Studierende von insgesamt 693 - lange blieb es bei Anteilen um die fünf Prozent. 2007/08 machten ausländische Studierende dann erstmals mehr als zehn Prozent aller Studierenden an österreichischen Fachhochschulen aus. Bis heute steigt die Zahl jedes Jahr, aktuell sind 16 Prozent der österreichischen FH-Studierenden aus dem Ausland.

Der Großteil dieser ausländischen Studierenden kommt aus Europa, viele aus den Nachbarstaaten. So stellt Deutschland die größte Gruppe der ausländischen Studierenden an Fachhochschulen. An der FH Joanneum folgen dann aber schon mit 103 Studierenden die Inder - insbesondere wegen der englischsprachigen technischen Master würden sie in die Steiermark kommen.

Alle Kontinente in Österreich

Zu unterscheiden gilt es natürlich zwischen Studierenden, die das komplette Studium in Österreich absolvieren, und jenen, die im Rahmen eines Auslandssemesters kommen und nur für begrenzte Zeit hier sind. Die Europäer sind dabei ebenfalls die größte Gruppe. Aber auch aus der Ferne finden immer mehr junge Menschen ihren Weg nach Österreich. Im Studienjahr 2013/14 kamen 16 Studierende aus Afrika, 205 aus Amerika (Nord und Süd), 244 aus Asien und 19 aus Australien und Ozeanien für ein Auslandssemester an eine österreichische Fachhochschule.

Besonders beliebt bei weit gereisten Auslandsstudierenden ist das MCI in Tirol: Im vergangenen Studienjahr studierten eine Person aus Afrika, 44 aus Nord- und Südamerika und 41 aus Asien im Rahmen eines Mobilitätsprogramms in Innsbruck - insgesamt kamen 222 Studierende für ein oder zwei Semester ans MCI.

Für die internationalen Studierenden, die nur ein oder zwei Semester im Rahmen eines Mobilitätsprogramms in Österreich bleiben, bieten die heimischen Fachhochschulen auch ein spezielles Programm an: Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten, Wandern und Skifahren, aber auch multikulturelle Weihnachtsfeiern, bei denen die Studierenden Traditionen aus ihren Heimatländern präsentieren, sind nur ein kleiner Teil der Aktivitäten. (Lara Hagen, DER STANDARD, 11.4.2015)

Ausländische Studierende auf Fachhochschulen im Porträt:

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foto: privat

Von Korea nach Dornbirn: Da Jeen Lee bleibt ein Semester

Da Jeen Lee kommt von einer Privatuniversität in Seoul an die FH Vorarlberg. Zuhause, an der Khung Hee University, studiert sie Mathematik. In Dornbirn hat sie sich für Informatik - Software and Information Engineering entschieden: "Ich möchte später als Versicherungsmathematikerin arbeiten. Da kann ich Informatikwissen gut gebrauchen." Der Asiatin gefällt es an ihrer Gasthochschule sehr gut: "Das Austauschprogramm ist gut organisiert. Davon hatte ich schon gehört, und es ist wirklich so."

In einer Einführungswoche haben die Gaststudierenden aus 15 Ländern die FH Vorarlberg und deren Umgebung kennengelernt. "Wir waren auf einem nahe gelegenen Berg Ski fahren, und in meiner Freizeit bin ich auf einen anderen Berg spaziert. Dort habe ich den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens gesehen", schwärmt die Südkoreanerin.

Was Lee jedoch ebenso begeistert, sind die Atmosphäre und die Arbeitsweise in Dornbirn: "An unserer Universität in Korea gibt es keinen Dialog mit den Professoren und auch keine Kommunikation zwischen den Studierenden. Da herrscht ein riesiger Konkurrenzkampf. Hier ist es ganz anders. Man spricht mit den Dozenten auf Augenhöhe, und die Studierenden arbeiten zusammen. Das ist ganz neu für mich und sehr schön."

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