Neun Millionen für Forschung an Fachhochschulen

11. April 2015, 09:00
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Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (VP) preschte beim FH-Forschungsforum in Hagenberg vor und kündigte neun Millionen an Forschungsgeldern an

Hagenberg - Als Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (VP) im Audimax der Fachhochschule Hagenberg ans Rednerpult trat, um den zweiten Tag des 9. Forschungsforums der österreichischen Fachhochschulen zum Thema "Wegbereiter - Karrierepfade durch ein Fachhochschulstudium" zu eröffnen, rechnete wohl kaum einer der Zuhörer damit, dass dieser das Füllhorn öffnet - und erstmals öffentlich mehr Geld für die Forschung an Österreichs Fachhochschulen verspricht.

Konkret sollen bereits ab Herbst neun Millionen Euro in das "Coin-Aufbauprogramm" der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) fließen, das stärkste Förderprogramm für die heimischen Fachhochschulen. Das sind immerhin drei Millionen mehr als noch im Jahr davor. Allerdings soll das Fördergeld des Wissenschaftsministeriums (BMWFW) nun nicht mehr jährlich, sondern im Zweijahresrhythmus fließen.

"Wird schon so sein"

Doch selbst für "Kollegen" aus dem Wissenschaftsministerium kam der Mahrer-Vorstoß offensichtlich durchaus überraschend. Ulrike Unterer, Leiterin der Abteilung Technisch-wirtschaftliche Forschung im Wissenschaftsministerium, meinte dazu im Rahmen der FH-Tagung: "Ich kann Ihnen die neun Millionen, die der Herr Staatssekretär heute erwähnt hat, so nicht bestätigen. Wir haben noch nicht einmal die gemeinsamen Richtlinien vom Finanzministerium abgesegnet. Aber wird schon so sein, wird schon kommen."

Fernöstliche Ängste

Stand der erste Tag des FH-Symposiums noch ganz im Zeichen der Debatte über ein künftiges Doktoratsstudium an den Fachhochschulen, rückte man am Donnerstag vor allem die wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund.

Staatssekretär Mahrer setzte dabei zu einem "Weckruf" an und zeichnete überaus drastisch ein Bild der fernöstlichen Gefahr für den heimischen Wirtschaftsstandort: "Der Fokus verschiebt sich - nach Asien. In Wahrheit spielt die Musik bei den Chinesen." Nachsatz: "Vergessen Sie den Fernen Osten nicht. Dort geht jeden Tag die Sonne auf."

KTM-AG-Vorstandsvorsitzender Stefan Pierer zeigte sich dann sichtlich bemüht zu betonen, dass nicht nur in Fernost, sondern auch in Mattighofen, dem KTM-Stammsitz im Innviertel, regelmäßig die Sonne scheint: "Auch in China ist das Wasser nicht klarer. Und aufgegeben wird ein Brief."

Revolution im Gymnasium

Im Rahmen der von STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid moderierten Veranstaltung sprach sich Pierer vor allem für eine "stärkere Verzahnung der dualen Ausbildung im tertiären Bereich" aus. Konkret schlägt der KTM-Boss etwa vor, HTL-Abgängern ein weiterführendes Studium schmackhaft zu machen, indem Schulzeiten beim Studium angerechnet werden. "Und wenn das Gymnasium eine duale Ausbildung anbieten würde, dann wäre das eine echte Revolution", so Pierer.

Eine Absage erteilt der Unternehmer aber der von der Bundesregierung geplanten Reform des Stiftungsrechts: "Für Unternehmen ist das zu kompliziert. Jede Bürokratie mehr lehnen wir ab." Präsentiert wurden im Rahmen der FH-Tagung an der Mühlviertler Softwareschmiede auch die Ergebnisse einer Studie über die Forschungsförderung für die heimischen Fachhochschulen.

Deutlich zeige die Studie, dass die Fachhochschulen zu einem "großen Player" geworden sind, sagte der Autor Anton Geyer von Technopolis. Allein zwischen 2001 und 2011 ist das Fördervolumen von zehn auf siebzig Millionen Euro gestiegen. Den überwiegenden Teil lukrierten die Fachhochschulen über das "Coin-Aufbauprogramm". (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 11.4.2015)

  • STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid mit Stefan Pierer (KTM), Anton Geyer (Technopolis), Ulrike Unterer (BMWFW), Helmut Holzinger (Fachhochschulkonferenz).
    foto: werner dedl

    STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid mit Stefan Pierer (KTM), Anton Geyer (Technopolis), Ulrike Unterer (BMWFW), Helmut Holzinger (Fachhochschulkonferenz).

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