Gehackter Sender TV5 verriet unfreiwillig Passwörter

10. April 2015, 09:43
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Journalist gab TV-Interview, im Hintergrund waren deutlich Notizzettel mit Zugangscodes zu sehen – Website erneut nicht erreichbar

Paris - Wie wichtig es ist, seine Passwörter regelmäßig zu ändern, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Frankreich: In einem Fernsehinterview mit einem Mitarbeiter des Senders TV5 Monde, der am Mittwoch von Hackern der Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) lahmgelegt wurde, sind im Hintergrund deutlich Ausdrucke mit den Zugangscodes für diverse Social-Media-Accounts erkennen.

Reporter des öffentlich-rechtlichen Senders France TV befragten IT-Chef Jean-Pierre Vérines und den Reporter David Delos zu den Auswirkungen der Hackerattacke. Als Hintergrund wählte das Kamerateam für den Techniker den Serverraum, der Journalist wurde gebeten, sich vor einer Pinnwand in der Redaktion aufzustellen.

Passwort: daspasswortvonyoutube

Während Delos erklärt, was die dreistündige Lahmlegung des Senders, während der nur aufgezeichnetes Material gesendet werden konnte, für ihn bedeute ("Das ist sehr, sehr frustrierend"), gehen Kollegen durch das Bild, einer macht sogar ein Selfie mit dem Kamerateam im Hintergrund.

Dass die Passwörter so groß ausgedruckt sind, dass manche sogar in der für das Web komprimierten Version des Videos (ab 3:44 Minuten) zu erkennen sind, fiel offenbar niemandem auf. Der TV5-Zugang zu dem Videoportal Youtube war bis Freitag mit "lemotdepassedeyoutube" (daspasswortvonyoutube) geschützt, was die Codes des Senders für Instagram und Twitter waren, ist nicht zu sehen.

TV5-Website erneut nicht erreichbar

Nach dem großangelegten Hackerangriff war die Website von TV5 Monde Freitagfrüh erneut gestört, es wurde eine Fehlermeldung angezeigt. Am Donnerstagnachmittag war die Website nach dem Hack wieder zugänglich gewesen. Der Fernsehsender war in der Nacht auf Donnerstag stundenlang lahmgelegt, auf der Website sowie auf den Facebook- und Twitter-Seiten waren IS-Drohungen gegen Frankreich zu sehen.

Stundenlanges Blackout nach IS-Hack

Der IS-Angriff hatte am Mittwoch um 22 Uhr begonnen. Auf einen Schlag waren anstelle des üblichen TV5-Monde-Programms nur noch schwarze Fernsehbildschirme zu sehen. Erst gegen 5 Uhr morgens konnte der Sender, der in mehr als 200 Staaten und Regionen ausgestrahlt wird und wöchentlich 35 Millionen Zuschauer hat, wieder eigene Bilder senden. Ab dem späten Donnerstagnachmittag lief der Sendebetrieb wieder normal.

Die Hacker kaperten auch die Internetauftritte des Senders, der von öffentlich-rechtlichen Sendern in Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz betrieben wird. Auf der Facebook-Seite von TV5 Monde wurden Dokumente veröffentlicht, bei denen es sich um Ausweise und Lebensläufe von Familienmitgliedern französischer Militärangehöriger handeln soll, die an Einsätzen gegen die IS beteiligt sind.

Laut Innenminister Bernard Cazeneuve deutet vieles auf einen Terrorakt hin. Senderchef Yves Bigot sprach von einer "in der Fernsehgeschichte beispiellosen" Attacke. Der Cyberangriff sei "extrem gezielt und mächtig" gewesen. Demnach griffen die Hacker den Sender über die sozialen Netzwerke an. (red, APA, 10.4.2015)

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