McDonald's-Erfolg: Moskau probt Remake

10. April 2015, 08:00
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Zwei bekannte russische Regisseure wollen mit Kreml-Hilfe eine Konkurrenz zur US-Fastfoodkette aufbauen

Vom Regiestuhl an den Küchentisch: Die beiden über Russlands Grenzen hinaus bekannten Regisseure Andrej Kontschalowski und Nikita Michalkow wollen eine Restaurantkette eröffnen. Das Startkapital von knapp einer Milliarde Rubel (entspricht derzeit 18 Millionen Euro) haben sie in einem Brief an Wladimir Putin vom Präsidenten selbst erbeten.

"Ziel des vorliegenden Projekts ist es, zur Importverdrängung und Schaffung einer Alternative zu westlichen Fastfoodketten beizutragen", heißt es in dem Förderantrag. Das patriotische Pathos verfehlte seine Wirkung nicht: Das Pilotprojekt, das im Moskauer Umland und dem Gebiet Kaluga südlich davon starten soll, wurde von Putin bereits abgesegnet, berichtet die Tageszeitung Kommersant. Putin hat die Regierung beauftragt, das Start-up "unter Berücksichtigung des sozialen und politischen Charakters" zu begutachten.

Schnell rentieren wird sich die Idee selbst nach Einschätzung ihrer Initiatoren nicht. Knapp fünf Jahre brauche das Projekt, das mit 41 Cafés und 91 Schnellimbissbuden starten soll, um aus den roten Zahlen zu kommen, heißt es.

Kochshow als Vorlage

Kontschalowski und Michalkow sind Brüder und stammen vom Dichter sowohl der sowjetischen als auch der russischen Nationalhymne, Sergej Michalkow, ab. Beide sind als Schauspieler und Regisseure bekannt, der ältere (Jahrgang 1937) Kontschalowski hat jahrelang in den USA gedreht, von denen Tango und Cash der kassenträchtigste war.

Der für seine politische Nähe zu Putin bekannte Michalkow, Jahrgang 1945, hat seine Karriere hingegen weitgehend in der Heimat gemacht. 1994 wurde sein Film Die Sonne, die uns täuscht mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

Ganz fremd ist den beiden das Metier Kochen allerdings nicht. Kontschalowski produziert seit über zehn Jahren die Kochshow Wir essen zu Hause mit seiner fünften Ehefrau Julia Wyssotzkaja für das russische Fernsehen. Der Name der Show soll auch für die Fastfoodkette übernommen werden. Wyssotzkaja wird zum Aushängeschild des Projekts, das im Wettbewerb mit McDonald's vor allem auf Produkte aus der einheimischen Küche setzt.

Mehrere Anläufe

Es ist nicht der erste Versuch, dem amerikanischen Fastfoodriesen, in Russland den Rang abzulaufen. Bereits Mitte der 90er-Jahre wurde unter Mithilfe des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow mit dem "Russischen Bistro" ein Konkurrent aufgebaut, der viele Ideen McDonald's kopierte. Erfolg hatte der Doppelgänger nicht. So wurde er wieder eingestellt, während McDonald's, für dessen erstes Restaurant in Moskau 1990 noch Michail Gorbatschow persönlich Werbung machte, heute gut 470 Filialen im Land hat.

Trotzdem stehen die Chancen der neuen Herausforderer auf Erfolg besser. Auf dem Höhepunkt der Spannungen zwischen Russland und dem Westen hat die Verbraucherbehörde Rospotrebnadsor mit umfassenden Hygienekontrollen gegen McDonald's begonnen. Gut ein Dutzend Filialen wurden zeitweise wegen verschiedener Vorwürfe geschlossen.

Die geplante Schließung aller McDonald's-Filialen haben russische Behörden dementiert. Dabei wäre eine relative Mehrheit der Russen laut Umfragen sogar dafür. 49 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, McDonald's dichtzumachen, nur 33 Prozent waren dagegen. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 10.4.2015)

  • McDonald's soll patriotische Konkurrenz bekommen.
    reuters

    McDonald's soll patriotische Konkurrenz bekommen.

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