Krimkrise: Studenten entdecken Insiderhandel

10. April 2015, 05:30
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Aus Angst vor einem Ukraine-Krieg brach die Moskauer Börse im März des Vorjahrs ein. Davor gab es auffällige Aktiendeals

foto: ap/mikhail klimentyev
Wer weiß, was Wladimir Putin tun wird, kann viel verdienen.

Wien – Wenn sich ihre These bewahrheitet, dann ist zwei PhD-Studenten der Cornell University in den USA eine kleine Sensation gelungen. In einer noch nicht veröffentlichten Studie, die dem STANDARD vorliegt, wollen Felipe Silva und Ekaterina Wolkova nachgewiesen haben, dass einige Investoren ihre Kontakte in den Kreml vor der Krim-Annexion in Bares umgewandelt haben.

Ein Blick zurück: Im November 2013 gingen in Kiew die Maidan-Proteste los, hunderttausende Ukrainer demonstrierten gegen die amtierende Janukowitsch-Regierung. Die Lage eskalierte, Janukowitsch floh daraufhin aus dem Land. Kurze Zeit später annektierte Russland schließlich die Krim. Lange schien unklar, was auf der Halbinsel genau vorging. Die Studie von Silva und Wolkova könnte nun zeigen, dass es bereits früh Eingeweihte gab, die mit ihrem Insiderwissen an der Börse handelten.

Ende Februar 2014 wurde das Parlament in der Hauptstadt Simferopol von Soldaten besetzt. In den nächsten Tagen spitzte sich der Konflikt zu. Die Insider sollen das gewusst und früh Aktien verkauft haben. Nach dem Wochenende, an dem nicht an der Börse gehandelt werden kann, stürzte der russische Aktienindex Micex aus Angst vor einem bewaffneten Konflikt in der Ukraine um elf Prozent ab.

Der WU-Ökonom Jesus Crespo Cuaresma hat sich das Papier der Studenten angesehen. "Es ist technisch gut gemacht", sagt er. Die Interpretation der Ergebnisse sei aber wohl "ein wenig überzogen". Anders Aslund, der ehemalige Wirtschaftsberater des russischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin, hält die These der Studenten für unplausibel. "Schon vor dem Wochenende war damals klar, dass das eine russische Invasion ist", sagt Aslund, der das Papier selbst jedoch nicht gelesen hat, zum STANDARD. Ein Blick in die Zeitung sei dafür ausreichend gewesen.

Fraglich bleibt, wieso der russische Micex dann trotz klarer Faktenlage erst am Montag gecrasht ist. Nach der Besetzung hat er lediglich ein Prozent verloren. Genau an diesem Punkt hakt Ekaterina Wolkova ein. "Jeder wusste, da passiert etwas. Putin hat am Wochenende aber Truppen mobilisiert", sagt die 26-jährige Studienautorin. Das habe die Aktien einbrechen lassen. Wer das früher als alle anderen wusste, konnte damit viel Geld verdienen. (Andreas Sator, DER STANDARD, 10.4.2015)

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