Expansion im Internet schrumpft Supermarkt-Filialen

10. April 2015, 07:45
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Rewe-Österreich-Chef Hensel baut den Onlinehandel aus und sieht im Gegenzug die Zahl der Supermärkte sinken

Wien - Onlinegeschäfte sind eines der am besten gehüteten Geheimnisse, sagt Frank Hensel. Der Chef der Rewe Österreich lässt sich auf keine Spekulationen über Umsätze und Erträge im Internethandel ein. Dass Webshops und Hauszustellung für seinen Konzern enorme Bedeutung haben, daran lässt er jedoch keine Zweifel. Nach Billa und Bipa starte heuer Penny mit dem Onlinevertrieb. Auch Merkur beliefere neben Geschäftskunden bald auch Privathaushalte.

Billa setzt mit seinem Webshop mittlerweile so viel um wie sechs gute Filialen, rechnet Hensel vor und sieht jährliche Zuwachsraten von 50 Prozent. Ob der stationäre Handel künftig zehn, 20 oder 30 Prozent des Volumens ans Internet verliert, hält er für irrelevant. "Wichtig ist es, von Anfang an dabei zu sein. Es ist ein aufwendiges Geschäft, keines, in das man später kurzfristig einsteigen kann."

Für das Netz an Supermärkten werde der steigende Onlineabsatz aber Folgen haben, ist der Rewe-Manager überzeugt. "Der Umsatz, der zu verteilen ist, bleibt der gleiche. Es wird weniger Filialen geben." Auf eine Million Österreicher kommen gut 451 Lebensmittelgeschäfte. Nur Norwegen hat in Europa eine höhere Filialdichte. Der Lebensmittelumsatz sank im Vorjahr der KMU Forschung Austria zufolge um 1,3 Prozent. Marktforscher Nielsen beziffert ihn mit mehr als 18 Milliarden Euro. Der Onlineanteil liegt, wie berichtet, bei weniger als einem Prozent.

Potenzial in Ballungsräumen

Rewe sieht Potenzial für die Zustellung vor allem in Ballungsräumen. Ziel ist dennoch flächendeckender Vertrieb. Der kleine Mitbewerber Unimarkt, der zur Pfeiffer-Gruppe gehört, macht dies ab sofort vor: Partner ist die Post. Geliefert wird in speziell isolierten Kunststoffboxen innerhalb von 24 Stunden. Als Alternative dient die steigende Zahl an Abholstationen.

Patentrezepte für die ideale Lieferung von Lebensmitteln gibt es keine, sagt Hensel. "Es ist eine der entscheidenden Fragen."

Ist keiner zu Hause, können Lebensmittelpakete anders als etwa Bücher und kleine Webbestellungen nicht einige Straßen weiter bei etwaigen Logistikpartnern hinterlassen werden. Experten meinen, dass ihre Zustellung jeweils mindestens zehn Euro kosten müsste, um den tatsächlichen Aufwand abzudecken. Die Schmerzgrenze liege für Kunden bei fünf Euro - einer der Gründe also, warum der Handel noch deutlich draufzahlt.

Überdies wollen Konsumenten von Rabatten, die stationäre Märkte bieten, auch im Netz profitieren. Wer weiß, wie viel ein Liter Milch im Geschäft kostet, zahlt online sicher nicht 20 Cent drauf", sagt Sascha Berens vom Handelsforscher EHI. "Es geht um Glaubwürdigkeit", ergänzt Pfeiffer-Chef Markus Böhm. Gut vorstellbar für ihn sind jedoch Aktionen, die im realen Supermarkt anders gelagert sind als im virtuellen Pendant.

Konservative Zahler

Weiterer Knackpunkt ist die Art der Bezahlung. Der Onlinedienst Paypal sieht die Österreicher ihre Einkäufe im Netz am liebsten mit Rechnung begleichen. Die Kreditkarte liegt auf Platz zwei, gefolgt von Paypal. Abgeschlagen rangieren Lastschriften und Sofortüberweisungen. Die Österreicher sind damit auf einer Wellenlänge mit den Deutschen und Schweizern.

Paypal, ein von Ebay abgespaltener US-Konzern, zählt in Österreich eine Million Kunden, die online vor allem Kleidung, Elektronik und Gesundheitsartikel kaufen. Frische Lebensmittel üben gerade den Sprung aus der Nische.

Abseits der ersten Gehversuche großer Supermärkte tummeln sich hier jedoch auch kleine Anbieter, etwa der Zusteller Hausfreund mit 5000 Kunden in Wien. "Die Leute gehen ja auch am Karmelitermarkt einkaufen", sagt Geschäftsführer Stefan Gsaller, Betriebe wie der seine hätten für Konsumenten angesichts der hohen Konzentration im Handel durchaus Charme. Und den Fehler, sich mit Billa in anderen Städten zu duellieren, werde er sicher nicht begehen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 10.4.2015)

  • Bis 2018 soll sich der weltweite Onlinehandel auf 307 Milliarden Dollar verdreifachen. Das Zahlenmaterial, auf das sich diverse Schätzungen stützen, ist freilich dürr.
    foto: dpa / arno burgi

    Bis 2018 soll sich der weltweite Onlinehandel auf 307 Milliarden Dollar verdreifachen. Das Zahlenmaterial, auf das sich diverse Schätzungen stützen, ist freilich dürr.

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