Chancen für Anleger abseits von Krise und Reformstau

10. April 2015, 14:34
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Europäische Aktien haben zuletzt recht ordentlich performt. Fondsmanager Carl Auffret erklärt, wie er in Europa Chancen sucht

Wien - Carl Auffret ist optimistisch für Europa. "Vorsichtig optimistisch", wie der Fondsmanager im Gespräch mit dem STANDARD präzisiert. Der schwache Euro und der gesunkene Ölpreis würden die Unternehmen derzeit unterstützten. Irland und Spanien hätten bereits viele Reformen durchgezogen, Italien und Griechenland hinkten hier hinterher. Dennoch gebe es im europäischen Umfeld genug Unternehmen, die auch ohne ein stark anziehendes Wirtschaftswachstum aktuell profitieren könnten. Zudem gebe es am Markt immer auch langfristige Trends und Unternehmen, die zwar in Europa gelistet sind, viel Umsatz aber außerhalb von Europa machen, sagt Auffret.

All diese Faktoren zusammengefasst, kann Auffret für den "DNCA Invest Europe Growth"-Fonds aus einem Aktienuniversum von rund 2000 Unternehmen wählen. Investiert wird nach einem Filter. Weil Auffret einen Wachstumsansatz vertritt, müssen die Unternehmen, die in seinen Fonds kommen wollen, auch ein konstantes Umsatzwachstum von rund fünf Prozent aufweisen. Zudem sucht der Fondsmanager Titel, die nicht jeder kennt und gut bewertet sind. Auch der freie Cashflow müsse passen, weil "das ein Anzeichen für eine gesunde Finanzierungssituation in einem Unternehmen ist", sagt Auffret. Ebenso müsse der Fondsmanager der Unternehmensführung vertrauen können.

Titel aus Österreich im Fokus

Unter Einbeziehung all dieser Kriterien bleiben rund 50 Titel, die für Auffret infrage kommen. "Diese Titel habe ich laufend im Auge." Mehr würden nicht gehen, denn niemand könne so viele Unternehmen gleich gut kennen. Derivate kommen nicht in den Fonds, betont Auffret. Auch Aktien aus Österreich hat der Fondsmanager im Blickfeld, etwa Do & Co. Das Gastronomie- und Cateringunternehmen habe eine interessante Story für Anleger. Auch mit Übernahmen, wie zuletzt im Juni 2013, als Do & Co für 23 Millionen Euro das französische Feinkostunternehmen Hediard übernommen hat, verschaffe sich das Unternehmen Aufmerksamkeit. Im Auge hat Auffret auch die Schoeller Bleckman Oilfield AG, die zuletzt aber unter dem niedrigen Ölpreis gelitten hat, weil dadurch die Nachfrage nach Bohrgeräten zurückgegangen ist.

Zu den Unternehmen, die bereits im Fonds sind, zählt Korian-Medica, das laut Auffret in Frankreich und Deutschland die Nummer eins und mittlerweile Europas größter Pflegeheimbetreiber ist. Der Konzern kommt auf 600 Einrichtungen in Europa mit fast 40.000 Mitarbeitern. "Dieser Geschäftsbereich hängt weder vom Wirtschaftswachstum noch von der Entwicklung bei Rohstoffen ab", gibt der Fondsmanager ein Beispiel für seine Titelselektion. Ein anderes Beispiel ist das britische Unternehmen Whitbread, dem mehrere bekannte Hotels, Restaurants sowie Gesundheits- und Fitnessclubs in Großbritannien und Irland gehören - etwa Pizza Hut oder die Café-Kette Costa Coffee. Auch Brauereien gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Die Benchmark, den Stoxx-Europe-600-NR, hat Auffret mit seinem Ansatz zuletzt stark outperformt. "Die Leute sind aber immer noch sehr vorsichtig, wenn es ums Investieren geht", sagt der Fondsmanager. Das Vertrauen in Aktien sei seit der Finanzkrise noch nicht ganz wiederhergestellt.

Kleine holen deutlich auf

Dabei sind europäische Aktien seit Jahresbeginn im Schnitt um 14 Prozent gestiegen und haben damit den stärksten Jahresstart seit den späten 1990er-Jahren hingelegt. Vor allem die kleineren Unternehmen, sogenannte Small Caps, haben sich zuletzt noch stärker entwickelt als der Markt insgesamt, wie eine Studie von Axa-Investment-Managers zeigt. Diese Rally bei Nebenwerten könnte laut den AXA-Strategen noch mehr Fahrt aufnehmen. Denn neben dem Quantitative Easing der EZB würden sich auch der niedrige Ölpreis und die verbesserten Bedingungen auf den Kreditmärkten positiv auf die kleinen Unternehmen auswirken.

"Attraktiv bewertet"

"Nebenwerte sind von ihrer Struktur her attraktiv", sagt Uwe Diehl, Head of Client Group Germany & Austria bei AXA Investment Managers. Mit ihnen könnten Investoren gezielt auf Wachstum setzen. Auch die Bewertung in Relation zum Wachstum sei derzeit attraktiv. Small Caps seien zudem oft Nischenanbieter, die von Veränderungen profitieren, wie zum Beispiel der demografischen Entwicklung, neuen technologischen und regulatorischen Entwicklungen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 10.4.2015)

  • In Europa schwenkt das Wetter endlich auf Frühling - an den Börsen ist das schon länger der Fall. Vor allem Nebenwerte haben sich zuletzt fest gezeigt und stärker zugelegt als der Gesamtmarkt.
    foto: ap/geert vanden wijngaert

    In Europa schwenkt das Wetter endlich auf Frühling - an den Börsen ist das schon länger der Fall. Vor allem Nebenwerte haben sich zuletzt fest gezeigt und stärker zugelegt als der Gesamtmarkt.

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