Causa Alijew: Website macht massiv Stimmung gegen Angeklagte

9. April 2015, 18:56
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PR-Berater Herbert Langsner betreibt die Website aliyev-derprozess.at, ein Impressum war bis Donnerstag aber nicht ersichtlich. Langsner ist im Fall Alijew für Anwalt Gabriel Lansky tätig, der die Witwen der Mordopfer vertritt

Wien – Am kommenden Dienstag beginnt ohne den verstorbenen Hauptangeklagten Rachat Alijew eines der wohl ungewöhnlichsten Strafverfahren in der österreichischen Justizgeschichte. Geschworene sollen darüber entscheiden, wer die kasachischen Bankmanager Zholdas Timralijew und Aybar Khasenov entführt und ermordet hat. Das Verfahren gegen Alijew wurde aufgrund seines mutmaßlichen Selbstmords eingestellt. Die Mitangeklagten Alnur Mussajew, Ex-Chef des Geheimdienstes KNB, sowie Wadim Koschylak, Ex-Mitarbeiter der Präsidentenwache, müssen sich aber wegen Mordes verteidigen.

Mehr als 90 Zeugen sind geladen, davon rund 60 aus Kasachstan. Der Fall ist äußerst komplex. Zudem liefern einander Gabriel Lansky, der den Verein der Witwen vertritt, sowie die Alijew-Vertreter Stefan Prochaska und Manfred Ainedter eine regelrechte Schlacht. Und es wird weiter versucht, die öffentliche Meinung in der Causa Alijew massiv zu beeinflussen.

Jüngster Streich ist die Website www.aliyev-derprozess.at. Penibel wird hier aufgelistet, wieso Alijew, Mussajew und Koschylak die Täter sind und wie laut einem aggressiven Artikel "Das Netzwerk hinter den Morden" an Timralijew und Khasenov aussieht. Eine Grafik soll die Verbindung zwischen mutmaßlichen Tätern, Opfern und viel Geld verdeutlichen. Selbst die –geschwärzte – Anklageschrift wurde als PDF-File angekündigt, sie war am Donnerstag aber nicht abrufbar. Ein Glossar mit bislang 53 Einträgen, großteils kasachische Namen und Firmen, soll – freilich höchst subjektiv – die Rollen in der Causa erklären.

Impressum nachgeholt

Hinter der Seite, auf der bis Donnerstagmittag kein Impressum ersichtlich war, steckt nach STANDARD-Recherchen die Firma von PR-Berater Herbert Langsner, der im Fall Alijew für die Kanzlei von Lansky tätig ist. Langsner: "Das ist eine Serviceseite für Interessierte." Donnerstagabend wies dann das Impressum korrekt Langsner aus. Wie berichtet, ließ er zwischen 2011 und 2013 im Auftrag der Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner (LGP) über eine PR-Agentur tausende negative Postings gegen Alijew in Internetforen verfassen. Lansky nannte die Aktion "das Kommunizieren von Tatsachen".

Medienanwälte beurteilen die Artikel, in denen teilweise vollkommen einseitig schwere Vorwürfe erhoben werden, als höchst bedenklich. Die Verletzung der Unschuldsvermutung sowie üble Nachrede stehen im Raum. (David Krutzler, DER STANDARD, 10.4.2015)

  • Nach dem mutmaßlichen Selbstmord Rachat Alijews beginnt am kommenden Dienstag der Mordprozess gegen zwei Angeklagte. Auf einer Website, die von einem PR-Berater von Anwalt Gabriel Lansky betrieben wird, werden Alijew sowie die Angeklagten massiv beschuldigt.
    foto: reuters/shamil zhumatov

    Nach dem mutmaßlichen Selbstmord Rachat Alijews beginnt am kommenden Dienstag der Mordprozess gegen zwei Angeklagte. Auf einer Website, die von einem PR-Berater von Anwalt Gabriel Lansky betrieben wird, werden Alijew sowie die Angeklagten massiv beschuldigt.

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