Oder doch lieber akademische Hauselfen?

Kommentar der anderen9. April 2015, 17:07
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Die außeruniversitäre Forschung fristet ein tristes Nischendasein in Österreich

Die beklagenswerten Bedingungen für Forschung und Wissenschaft nebst den befürchteten Folgen für den Standort Österreich sind bekannt. Kritische Stimmen verhallen ungehört und Klagen gehört zum Geschäft, das Geld reicht nie, und mit etwas Anstrengung lässt sich auch aus dem nassen Handtuch einer siechen akademischen Landschaft noch ein Funken schlagen, wie man immer wieder hört.

Ein Segment, das in der Diskussion selten bedacht wird, ist die sogenannte außeruniversitäre Forschung. Hier gibt es einerseits technologieaffine Spin-offs und Start-ups, aus denen auf österreichischem Boden ein Bill Gates oder Steve Jobs heranwachsen soll. Solche Initiativen mit Marktpotenzial können auf staatliche Förderungen etwa durch die FFG hoffen.

Auf den Markt verwiesen

Daneben existieren aber auch Einrichtungen, die in scheinbar weniger lukrativen Forschungsbereichen aktiv sind, und denen bleibt oft nichts anderes übrig, als sich politischen Parteien oder Ministerien anzudienen oder auf dem freien Markt der internationalen Forschungsförderung anzutreten. Politisch favorisierte Einrichtungen leben von Zuwendungen aus den jeweiligen Ministerialverwaltungen, alle anderen werden auf den Wettbewerb verwiesen.

Hier tut sich ein weites Feld auf. Da gibt es beispielsweise das IfGK - das Institut für Gewaltprävention und Konfliktmanagement, das von den beiden Eigentümern der Firma Steyr Mannlicher gegründet und von Dr. Alexander Janda, nebenbei unter anderem Generalsekretär des Kuratoriums Sicheres Österreich, geleitet wird. Partner des IfGK sind neben den Bundesministerien des Inneren und für Familien und Jugend die vom Land Niederösterreich betriebene Fachstelle für Gewaltprävention, das Wiener Hilfswerk und - praktischerweise - auch das Kuratorium Sicheres Österreich.

Nebenerwerbsschauplätze

Da gibt es kleine Forschungs-und Beratungsunternehmen, die außer einem undurchsichtigen Webauftritt nichts vorzuweisen haben und die in Projektkonsortien die Krumen vom Tisch der großen Player einsammeln. Da gibt es ein paar altgedient Etablierte, die ihre (ökonomische) Nische gefunden haben, und jene von universitären Honoratioren betriebenen Einrichtungen, in der Regel Nebenerwerbsschauplätze akademischer Eitelkeiten.

Was es nicht gibt, ist eine gezielte, berechenbare und langfristige Förderung der außeruniversitären Forschung. Dabei sollte es einem Ministerium, das Wissenschaft und Wirtschaft zusammenspannt, einleuchten, dass hier intellektuelle und ökonomische Wertschöpfung betrieben wird. Das Einwerben europäischer Gelder, die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze, die Vernetzung über die Grenzen Österreichs hinaus und - last not least - die Steuern, die hierzulande auch von den nichtprofitorientierten Kleinstunternehmern des Geistes gezahlt werden, summieren sich schnell zu sechsstelligen Summen im Jahr für entsprechende Institute.

Immaterielle Bereicherung

Rechnet man die immaterielle Bereicherung der öffentlichen intellektuellen Debatten hinzu, dann könnte man fast meinen, es lohnte sich, in dieses Segment zu investieren. Allerdings könnte es sein, dass sich ein bunter Wildwuchs auf dem Markt des Geistes entwickelt und ob man sich da nicht lieber seiner akademischen Hauselfen bedient, wenn es um argumentative Zulieferung für politische Entscheidungen aus passender Wissenschaft geht - das entscheide man, wohl beraten von den eigenen Experten, am besten in den ministerialen Kabinetten. (Reinhard Kreissl, DER STANDARD, 10.4.2015)

Reinhard Kreissl war lange Jahre wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie und leitet jetzt das Vienna Centre for Societal Security VICESSE (ein subventionsfreies außeruniversitäres Forschungsinstitut).

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