Wiens lange geplante Leerstandsagentur soll 2016 starten

10. April 2015, 05:30
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Servicestelle wird vor Sommer ausgeschrieben und ist für drei Jahre mit 450.000 Euro budgetiert

Wien – Die rot-grüne Stadtregierung beschäftigte das Thema Leerstand schon 2010 – damals wurde im Koalitionsprogramm die Gründung einer Zwischennutzungsagentur festgelegt. Erst jetzt, fast fünf Jahre später, kommt Bewegung in die Sache: Noch vor dem Sommer soll die Einrichtung ausgeschrieben werden, ihre Tätigkeit nimmt sie voraussichtlich 2016 auf, hieß es am Donnerstag aus dem Büro von Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).

Die Serviceagentur soll den Namen "Kreative Räume" tragen und Eigentümer von temporär oder langfristig leerstehenden Geschäftsflächen und Häusern mit Kreativen, Künstlern und Start-ups vernetzen. Mit 450.000 Euro wird sie zu gleichen Teilen von den städtischen Ressorts für Wirtschaft, Stadtplanung und Kultur auf drei Jahre finanziert – danach wird sie einer Evaluierung unterzogen.

Kooperation mit privater Agentur möglich

Mit der geplanten Servicestelle wird es in Wien dann schon zwei derartige Einrichtungen geben. Denn im März dieses Jahres stellte sich bereits "Nest" vor, eine private Agentur für Leerstandsmanagement, die – anders als "Kreative Räume" – nicht nur berät und vermittelt, sondern auch Flächen selbst anmietet, Nutzungskonzepte, Machbarkeitsstudien und Standortanalysen erarbeitet.

Konkurrieren würden die zwei Einrichtungen also nicht, eine Zusammenarbeit sei vorstellbar, heißt es sowohl aus dem Büro von Mailath-Pokorny als auch von "Nest"-Geschäftsführer Lukas Böckle. Dieser plädiert dafür, die von "Nest" bereits gestartete Online-Vermittlungsplattform künftig in Kooperation mit der städtischen Agentur zu betreiben.

Gemeinnützige Initiativen unterstützen

Unklar sei noch, ob "Kreative Räume" auch städtische und stadtnahe Immobilien vermitteln wird und ob diese auch an gemeinnützige Initiativen gehen werden, sagte Willi Hejda, Obmann der IG Kultur zum STANDARD. Die Interessengemeinschaft beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Thematik und lancierte 2010 die Studie "Perspektive Leerstand". Es brauche ein politisches Bekenntnis, auch Initiativen zu unterstützen, die nicht kommerziell ausgerichtet sind und schwer oder gar nicht an leistbare Räumlichkeiten herankommen. Um nicht an den Interessen der künftigen Nutzer vorbeizuarbeiten, schlägt Hejda vor, der Serviceagentur einen Nutzerbeirat aus Vertretern sozialer, kultureller und kreativwirtschaftlicher Bereiche zur Seite zu stellen.

Solche Details hätte man noch nicht eindeutig festgelegt, sagte eine Sprecherin Mailath-Pokornys. Die Serviceagentur sei "work in progress". Man werde schauen, wie sie sich entwickelt, und wolle derzeit nichts ausschließen – einzig Wohnungen werde man bestimmt nicht vermitteln. (Christa Minkin, derStandard.at, 10.4.2015)

  • Die Stadt Wien will Leerstand künftig managen.
    foto: maria von usslar

    Die Stadt Wien will Leerstand künftig managen.

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