Zuneigung mit ungeklärten Interessen

10. April 2015, 09:00
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Bernhard Schir inszeniert und spielt in Karl Schönherrs "Der Weibsteufel"

In Karl Schönherrs Alpendrama Der Weibsteufel (es wurde 1915 in Wien uraufgeführt) treiben drei Menschen ein böses Spiel miteinander. Im Glauben, seine Schmugglertätigkeit in befriedete Bahnen lenken zu können, treibt der Mann (Marcello de Nardo) seine Frau (Katharina Straßer) in die Arme des "Grenzjägers" (Bernhard Schir) - als Pfand für ein unbeschwerteres Leben. Der Ehemann ist nämlich "schwach"; eine Truhe mit Kinderwäsche mahnt in der gemeinsamen Stube den bisher unerfüllt gebliebenen Kinderwunsch ein. Und dem "Weib" gefällt der fremde Mann.

Da geschieht es: Die Liebe fährt wie eine Urgewalt in diesen rein ökonomisch gedachten Plan. Am Ende ist der eine tot, der andere im Zuchthaus, und die Frau geht aus dem Konflikt als Alleinerbin des Hauses hervor.

Mit dieser Dreiecksgeschichte des vor einigen Jahren wieder neu entdeckten Tiroler Autors Karl Schönherr gibt Schauspieler Bernhard Schir sein Regiedebüt bei den Festspielen Reichenau. Dem nicht genug. Er spielt auch den potenten fremden Mann, den Grenzjäger, in dessen Hinwendung ebenso eigene (vielleicht sogar unlautere) Motive verborgen sein mögen. Und die Frau? Nun ja, Amors Pfeil behütet nicht vor liebesfernen Interessen.

Mitte der 1990er-Jahre machte Bernhard Schir als Arzt in der TV-Serie OP ruft Dr. Bruckner Furore. Damit festigte er den Typ vom Schwiegermuttertraum mit Romantic-Comedy-Potenzial. Diesem wusste er aber mit vielen Bösewichtrollen im deutschsprachigen Krimifernsehen gekonnt auszuweichen. Seit 1994 ist der in Innsbruck geborene und seit zwanzig Jahren in Berlin beheimatete Bernhard Schir (52) immer wieder in Reichenau engagiert. Das Theater ließ der am Max-Reinhardt-Seminar Ausgebildete trotz reger Film- und Fernsehtätigkeit nie aus den Augen. Begonnen hat Schir am Volkstheater und im Theater in der Josefstadt; für seinen Osvald in Ibsens Gespenster erhielt der Nachwuchsschauspieler 1988 die Kainz-Medaille und den Karl-Skraup-Preis.

Seit Jänner ist der Mime auch an den Wiener Kammerspielen zu sehen; er spielt in Daniel Glattauers Ehekomödie Die Wunderübung an der Seite von Aglaia Szyszkowitz den unberechenbar gemütsbewegten Gatten Valentin Dorek. Noch mehr Aufmerksamkeit bekommt Schir derzeit aber als Bankier Hadrian in der ORF-Serie Vorstadtweiber, in der er als Sugar-Daddy mit Hang zu hintertriebenen Schachzügen glänzt.

Ein Fest des Idioms

Der Reichenauer Weibsteufel wird unter besonderen Voraussetzungen realisiert. Der Zufall (oder das Besetzungsgeschick der Intendanten Renate und Peter Loidolt) will es, dass hier zwei gebürtige Tiroler aufeinandertreffen: Katharina Straßer und Bernhard Schir absolvierten dasselbe Innsbrucker Gymnasium und hatten - mit einigen Jahren Unterschied, versteht sich - sogar denselben Klassenvorstand. Ein Fest des Idioms: Schönherrs Sprache erklingt im Tiroler Dialekt. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 10.4.2015)

"Der Weibsteufel", Premiere am 3. Juli, Neuer Spielraum, Theater Reichenau, 19.30 Uhr; Termine bis 4. August


Spezial Festspiele Reichenau ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit den Festspielen Reichenau. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Bernhard Schir in doppelter Funktion beim "Weibsteufel".
    foto: alexander tuma / picturedesk

    Bernhard Schir in doppelter Funktion beim "Weibsteufel".


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