Beschleunigter Pulsschlag, fast Herzrasen

10. April 2015, 10:00
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Bewährter Solist und charismatisches Duo: Rudolf Buchbinder und die Labèque-Schwestern konzertieren

Seit mittlerweile 15 Jahren ist Rudolf Buchbinder regelmäßig bei den Festspielen Reichenau zu Gast. In diesem Sommer präsentiert der gefeierte Pianist und künstlerische Leiter des Grafenegg-Festivals zentrale und beliebte Werke der Wiener Klassik und Frühromantik.

Der 68-Jährige eröffnet sein Programm mit Joseph Haydns Es-Dur Sonate Hob. XVI/52, einem großangelegten Werk, dessen Kopfsatz mit prachtvollen Arpeggios beginnt. Doch Haydn konterkariert das rauschende Hauptmotiv sofort mit einem filigranen, zarten Echo: Man soll dem theatralischen Auftritt nicht zu lange Beachtung schenken. Mit Abspaltungen und Reduzierungen dimmt er den aristokratischen Aplomb auf bürgerliche Bescheidenheit zurück.

Wie Joseph Haydn war auch Ludwig van Beethoven ein filigraner Tüftler und Motivforscher, und das Hauptmotiv des Kopfsatzes der "Waldstein-Sonate" ist eine seiner genialsten Schöpfungen. Man kann es als maschinenartiges Klopfen wahrnehmen oder als beschleunigten Pulsschlag, als Herzrasen fast. Wie wird es Buchbinder deuten? Mit Franz Schuberts zauberhaften Vier Impromptus D 935 beschließt der österreichische Pianist sein auf zwei Termine angesetztes Konzertprogramm am Sonntag, 5. Juli (elf und 19.30 Uhr).

Wie Rudolf Buchbinder sind auch Katia und Marielle Labèque keine Unbekannten mehr in Reichenau, wenn die zwei Schwestern das Publikum 2015 hier auch erst zum dritten Mal begeistern werden. Das Programm der beiden Sonntagskonzerte des charismatischen Klavierduos (19. Juli, elf und 19.30 Uhr) ist ganz der Kraft des Rhythmus gewidmet: Zuerst präsentieren die Französinnen einen Klassiker der Moderne, Igor Strawinskis Le sacre du printemps. Als Ballettmusik konzipiert, hat die bahnbrechende, brachiale, überwältigende Schilderung eines Opferritus die Hörerschaft anfänglich noch überfordert - tempi passati.

Danach interpretieren die Labèque-Schwestern ein Werk, das sich von Beginn an größter Beliebtheit erfreut hat: Leonard Bernsteins West Side Story. Auch dieses Stück ist ein Schmelztiegel der verschiedensten Tänze und Rhythmen der zwei Amerikas, auch dieses Stück erzählt eine Geschichte, die schlussendlich ein Todesopfer fordert.

Die Labèques werden das Werk in einer speziellen Fassung für zwei Klaviere und Percussion zur Aufführung bringen - man darf gespannt sein. (Stefan Ender, Spezial, DER STANDARD, 10.4.2015)


Spezial Festspiele Reichenau ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit den Festspielen Reichenau. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Begeistern zum dritten Mal das Festspielpublikum in Reichenau: die Schwestern und Pianistinnen Katia und Marielle Labèque.
    foto: umberto nicoletti

    Begeistern zum dritten Mal das Festspielpublikum in Reichenau: die Schwestern und Pianistinnen Katia und Marielle Labèque.


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