Zwischentöne statt Gesellschaftsgockeleien

10. April 2015, 09:00
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Florentin Groll spielt in "Professor Bernhardi"

Ja, sicher freue er sich auf Reichenau, "schließlich trifft man dort viele Kolleginnen und Kollegen wieder, die man lange nicht gesehen hat. Ob und dass es Spaß machen wird, ist auch, grob gesagt, ausschlaggebend für seine Zusage", sagt Florentin Groll und lacht sein unverwechselbares, ironisches, kehliges Lachen. "Natürlich spiele ich immer noch gern, unbelasteter und unverkrampfter in Bezug auf Erfolg. Ich muss ja nicht mehr spielen, so wie früher, als ich noch Angestellter war."

Mehr als dreißig Jahre, von 1979 bis 2010, war er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, unter so unterschiedlichen Direktoren wie Achim Benning, Claus Peymann, Klaus Bachler und zuletzt Matthias Hartmann.

Florentin Groll ist ein großartiger Bühnen- und Filmschauspieler, der in unterschiedlichste Rollen schlüpfte, nur in eine nie: die des eitlen, selbstverliebten Stars. Keine Homestorys, keine Allüren, keine Skandale, keine Bekenntnisse, kein Glamour, kein leeres Wortgeklingel; kein hohler Theatersprech. Dafür eine Stimme, deren dunkle, samtene Schönheit man nie mehr vergisst.

Geboren 1945 in Vöcklabruck; Kindheit im Salzkammergut; Jugend im Taunus; bei Heinz Kindermann, dem späten Reinhardt-Apologeten, Studium der Theaterwissenschaft in Wien; später bei Adorno in Frankfurt. Schauspielschule? "Dazu war ich viel zu schüchtern. Außerdem fand ich Schauspielschüler immer hochnäsige Schnösel. Dazu kommt die psychologisierende Sprache beim Theater, da agieren ja alle wie Küchenpsychologen. Gleichzeitig verachten die Theaterleute die Intellektuellen. Aber natürlich sind Schauspielschulen wichtig, um körperliche Fertigkeiten zu lernen."

Auf der Bühne landete Groll denn eher zufällig. Sein Freund, der griechische Regisseur Stavros Doufexis, inszenierte am Wiener Ateliertheater und bot ihm eine Ein-Satz-Rolle an: "Bei der ersten Probe war ich total schmähstad; ich wusste nicht, wie ich diesen läppischen Satz sprechen sollte." Danach spielte er an den wichtigsten deutschsprachigen Bühnen, arbeitete mit den besten Regisseuren, seine liebsten: George Tabori und Dimiter Gotscheff; Burg; Sommerfestivals; Reichenau.

Hier inszenierte Groll, der mit der Schauspielerin und Regisseurin Babett Arens verheiratet ist, Arthur Schnitzlers Reigen mit vier statt mit zehn Schauspielern. Nun kehrt er als Nervenarzt Dr. Cyprian in Professor Bernhardi zurück. "Es herrscht bei Schnitzler-Stücken ja oft das Missverständnis, dass jede Figur so tut, als wäre sie Schnitzler. Die tradierte Wiener Art, Gesellschaftsgockeleien als Zwischentöne zu verkaufen, hat schon Gustav Manker zu brechen begonnen. Nun bin ich gespannt, wie Hermann Beil als Regisseur damit umgehen wird." (Andrea Schurian, Spezial, DER STANDARD, 10.4.2015)


Spezial Festspiele Reichenau ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit den Festspielen Reichenau. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Florentin Groll spielt den Nervenarzt Dr. Cyprian.

    Florentin Groll spielt den Nervenarzt Dr. Cyprian.


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