"Die Anordnung der Wörter im Stück ist ganz tirolerisch"

10. April 2015, 09:00
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Katharina Straßer gibt die Titelrolle in Karl Schönherrs "Der Weibsteufel" - Bernhard Schir inszeniert im Dialekt

Den muffigen Geruch, der in den Theatern herrscht, mochte Katharina Straßer schon immer. Schon als Kind, denn das Theater war der Arbeitsplatz ihrer Eltern: Mutter eine Schauspielerin; Vater im Betriebsbüro tätig. Für Klein Katharina war klar, dass alle Menschen am Theater arbeiten, dass es keine anderen Berufe gibt. Die 1984 in Rum in Tirol geborene Mimin wuchs in einer Wohnanlage für Theaterleute auf. Da lebten Trompeter und Portiere, Chorsänger und Kostümbildner Tür an Tür.

Naiv und gefährlich

Wenn man Straßer heute auf der Bühne sieht, lässt es sich schwer denken, dass sie einmal - nachdem sie andere Berufe entdeckt hatte - Juristin, Journalistin oder Masseurin werden wollte. So hingebungsvoll spielt sie!

Mit naiver oder auch gefährlicher Wucht behauptet sie ihre Frauenfiguren: Sie war die Julie an der Seite von Liliom Robert Palfrader im Volkstheater. Sie bildete mit Harald Windisch das arme Oktoberwiesen-Paar Kasimir und Karoline in der Josefstadt. Sie war die resche Polly Peachum in der Dreigroschenoper oder Eliza Doolittle in My Fair Lady an der Volksoper.

Während andere um die dreißig noch mit Nachwuchspreisen geehrt werden, war sie beim Nestroypreis als beste Schauspielerin nominiert (für Kasimir und Karoline). Den Nachwuchspreis sprach man ihr bereits 2007 zu, für die Rolle der Mizi in Schnitzlers Liebelei.

Mit Arthur Schnitzler stieg Katharina Straßer auch bei den Festspielen Reichenau ein. 2010 debütierte sie in Der Weg ins Freie und kehrte zwei Jahre später dann im Reigen wieder. Nun gibt die mit Kabarettist Thomas Sipsits verheiratete Schauspielerin und Mutter eines noch nicht einjährigen Sohnes die Titelrolle in Karl Schönherrs Weibsteufel.

"Diesen Namen hat sich natürlich ein Mann ausgedacht", sagt Straßer im Standard-Gespräch. "Aber dass diese Frau mehr Teufel ist als die beiden Männer, das bezweifle ich. Teufel sind sie eigentlich alle drei." Schönherrs Drama aus dem Jahr 1914 beschreibt eine fatale Dreiecksgeschichte in den Alpen. Der kränkliche Ehemann und Schmuggler gerät mit dem Grenzjäger in Streit um seine eigene Frau, die sich haltlos in den fremden Mann verliebt.

Straßer: "Sie löst etwas aus, das sie nicht kennt; es entsteht eine wahnsinnige Anziehung. Aber irgendwann ist nicht mehr ganz klar, ist es Liebe oder gegenseitiges Benützen." Schönherr war ein Tiroler, wie Straßer und auch Bernhard Schir, der den Grenzjäger spielt und Regie führt. Marcello de Nardo - er gibt den Ehemann - kann sich als gebürtiger Schweizer dem Tirolerischen zumindest weitgehend annähern.

Denn: Ja, Schir inszeniert "beinhart auf Tirolerisch" (Straßer). Die Satzstellung im Stück, die Anordnung der Wörter ist ganz tirolerisch, findet Katharina Straßer. "Es ist ganz leicht, das im Dialekt zu sprechen." Werden das alle im Publikum verstehen? - "Aber ja! Und es ist gut, denn die Mundart ist hart; es ist ein rauer Dialekt, der eine ganz eigene Atmosphäre schafft", so Straßer.

Der Härte in der Sprache steht die (scheinbare) Idylle des alpinen Lebens gegenüber. Der Reichenauer Weibsteufel folgt ganz der Regieanweisung "in der Stube" und kreiert für das Stück ein Indoor-Setting. Zu sehen gibt es also weit und breit keine wild durcheinandergewürfelten Baumstämme wie einst in der markanten Inszenierung Martin Kusejs am Akademietheater, sondern Tisch, Stühle, Fenster.

Die Zeit nach der Babypause beginnt für Katharina Straßer also steil. Im Herbst spielt sie in Anatol im Theater in der Josefstadt. (Margarete Affenzeller, Spezial, DER STANDARD, 10.4.2015)

"Der Weibsteufel", Premiere am 3. Juli, 19.30, Termine bis 4. August.


Spezial Festspiele Reichenau ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit den Festspielen Reichenau. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Eine Ehe, die nicht gut ausgeht: Katharina Straßer und Marcello de Nardo in "Der Weibsteufel" von Karl Schönherr.
    foto: dimo dimov

    Eine Ehe, die nicht gut ausgeht: Katharina Straßer und Marcello de Nardo in "Der Weibsteufel" von Karl Schönherr.

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