Männertherapeut: Gewalt gegen Asylinitiative aufarbeiten

10. April 2015, 07:00
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Die Attacke auf das Flüchtlingshaus in Alberschwende in Vorarlberg hat nicht nur rechtliche Folgen. Therapeut Arno Dalpra rät zur Aufarbeitung

Alberschwende - Auf brachiale Art teilten fünf junge Männer in der Nacht auf Ostermontag in Alberschwende mit, dass sie nichts vom Engagement jener Mitbürger halten, die sich gegen die Abschiebung von Asylwerbern stellen.

"Wir sind Asyl" oder "Asyl" hatten Mitglieder der Bürgerinitiative auf Transparente geschrieben. Die jungen Männer rissen laut Augenzeugen die Osterbotschaft von den Häusern, wollten sich mit Gewalt Zugang zu jenem Bregenzerwälderhaus verschaffen, das acht jungen Kriegsflüchtlingen aus Syrien vorübergehend Heimat ist. Bürger, die sich in den Weg stellten, wurden als "Drecksjude", "Dreckslinker", "Drecksdeutscher" beschimpft.

Die rechtliche Konsequenz der Gewalt: Anzeigen wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, gefährlicher Drohung. Die Männer "gehören nicht der rechten Szene an" und seien bisher nicht auffällig geworden, sagt die Polizei. Als "bsoffene Gschicht" tun nicht wenige Alberschwender die Gewalttour ab.

Alkoholisierung sei keine Entschuldigung, hält Psychotherapeut Arno Dalpra dagegen. "Alkohol ist eine Substanz, die Hemmungen herabsetzt. Fallen die Hemmungen, kommt das Unbearbeitete, Brachiale zum Vorschein." Es sollte diesen Männern zu denken geben, dass sie unter Alkoholeinwirkung gewalttätig werden, sagt der Leiter der Gewaltberatungsstelle Klartext.

Dass die Tatverdächtigen in ihrem Umfeld bisher nicht aufgefallen seien, glaubt Dalpra nicht: "Man hat wahrscheinlich nicht genau hingehört und hingeschaut." Sich mit Gewalt Gehör zu verschaffen sei inakzeptabel. Schließlich stehe hinter einer derartigen Gewaltäußerung das Modell "wer laut ist und Angst macht, hat das Sagen". Abseits der rechtlichen Konsequenzen müssten die Männer mit den Folgen ihres Tuns für die Dorfgemeinschaft konfrontiert werden, rät der Therapeut: "Sie haben Fakten gesetzt, das muss man ernst nehmen." Dalpra: "Einfach zur Tagesordnung überzugehen, wäre nicht richtig." (Jutta Berger, DER STANDARD, 10.4.2015)

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