"Troll-Domain": Konzerne äußern scharfe Kritik an ".sucks"

12. April 2015, 13:37
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Neue Top-Level-Domain soll "Kundenservice dienen", IT-Konzerne schnappen sich Adressen

Die neuen Top-Level-Domains, also Endungen von Webadressen, sorgen weiter für Wirbel: Diesmal steht die Endung ".sucks" im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie erlaubt zahlreiche hämische Adressen – registriert wurden in den vergangenen Tagen etwa "Nike.sucks" oder "Cortana.sucks". Momentan sind es aber noch die Markeninhaber selbst, die zuschlagen dürfen: Die Internetverwaltungsbehörde ICANN hat Vox Populi, das die ".sucks"-Domains vergibt, zu einer "Sunrise Period" verpflichtet. In dieser Phase dürfen nur Markeninhaber Adressen erwerben.

Adobe: "Erpressung"

Viele Konzerne kritisieren die neuen Domains aber scharf. Adobe spricht gegenüber NPR von einer "Erpressung", der man nicht nachgeben wolle. "Adobe.sucks wird nicht von uns registriert werden", so ein Manager. Andere Firmen sind weniger moralisch: Microsoft oder Google haben eine ganze Reihe von Adressen angemeldet, beispielsweise "glass.sucks" oder "xbox360.sucks". Pro Meldung müssen die Firmen 2.500 Dollar zahlen. Das fällt im Silicon Valley vielleicht nicht schwer ins Gewicht, addiert kommen jedoch durchaus beträchtliche Summen zusammen.

Kundenservice?

Vox Populi verteidigt die Adressen naturgemäß: Sie seien ein guter Platz, um Kundenservice anzubieten, sagt die Vergabefirma. Außerdem eigneten sie sich für "cause marketing", also beispielsweise um Safer Sex oder Gesundheitsvorsorgen zu propagieren (etwa cancer.sucks). Das Unternehmen kann mit einigen Kombinationen enorme Summen einnehmen: Life.sucks wird momentan mit 1,5 Millionen Dollar bewertet, everyone.sucks mit 375.000 Dollar.

KevinSpacey.sucks

Der Widerstand gegen die Top-Level-Domains ist neben der Konzernwelt auch in Hollywood zu spüren. Kevin Spacey hat sich beispielsweise bereits "seine" .sucks-Adresse sichern lassen. "Unsere Kunden sind sehr wütend", so die Marketingfirma Mark Monitor, die sich um das Image großer Marken kümmert. Normalerweise können Namen blockiert werden, doch durch die "Sunrise Period" fällt das weg. Ein Prozess wegen Urheberrechtsverletzungen ist mühsam und kostspielig, Namen müssen etwa als Marke registriert sein, zusätzlich muss dem Betreiber einer Website schädliche Absicht unterstellt werden.

Flut an hämischen Websites

Für Normalsterbliche werden die Adressen ab 29.5. freigeschalten, ein weiterer Preissturz erfolgt im Herbst. Dann sind die Domains wohl nur mehr für wenige Dollar kaufbar. "Das wird zu einer wahren Flut an hämischen Websites sorgen", so The Next Web. Bereits zuvor hatte die Endung ".porn" für Aufregung gesorgt – und Microsoft etwa veranlasst, Office.porn zu registrieren. (fsc, 12.4.2015)

  • Die Domainendung ".sucks" dürfte Trolle aus allen Ecken des Internets anlocken
    foto: reuters/matzen

    Die Domainendung ".sucks" dürfte Trolle aus allen Ecken des Internets anlocken

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