"Das Getto Lódz 1940–1944": Vom Leben in der Hölle

9. April 2015, 16:21
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Im Saalfeldener Kunsthaus Nexus eröffnet am Freitag eine Ausstellung über die Ghettos in den jüdischen Gemeinden Polens

Saalfelden - Die nationalsozialistische Juden- und Rassenpolitik gliedert sich im Wesentlichen in zwei Abschnitte: in eine vor und eine nach Beginn des Holocausts. Nachdem mit dem Überfall auf Polen im September 1939 von den Nazis der Zweite Weltkrieg entfesselt worden war, begann das Morden. So kam es, dass in den zwei größten jüdischen Gemeinden Polens, Warschau und Lódz, binnen kurzer Zeit Ghettos errichtet wurden.

An das Ghetto in Lódz erinnert eine Schau im Saalfeldener Kunsthaus Nexus, die am Freitag eröffnet wird.

Vom Februar 1940 bis zum August 1944 kämpften in dem rund 120 Kilometer südwestlich von Warschau gelegenen Ort mehr als 200.000 Menschen ums Überleben. 43.000 starben, etwa 100.000 wurden vom Bahnhof Lódz aus in Vernichtungslager verschleppt und ermordet. Walter Genewein kam 1901 in Saalfelden zur Welt, als NSDAP-Mitglied leitete er ab 1940 die Finanzabteilung des Ghettos. Dazu machte der Bürokrat in amtlichen Auftrag auf dem damals von Agfa neu entwickelten Material hunderte Farbdias vom Ghettoleben - distanzierte Fotos, die für die NS-Verwaltung von Interesse schienen und die ein beinahe idyllisches Bild vom Ghettoalltag suggerieren wollen.

Dass die Realität das genaue Gegenteil war, zeigen die Aufnahmen der jüdischen Fotografen, die in der Schau denen Geneweins gegenübergestellt werden. Bei der Vernissage spricht der Wiener Historiker Bertrand Perz im Vortrag Zweierlei Perspektiven: Österreich und das Ghetto in Lódz klärende Worte.

Im Rahmen der Schau kommt zudem der Dokumentarfilm Aspangbahnhof 1941 von Angelika Brechelmacher und Martina Aichhorn zur Aufführung: zwei Frauen, die 1941 von Wien ins Ghetto deportiert wurden und es überlebten, berichten aus der Hölle. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 10.4.2015)

"Das Getto Lódz/Litzmannstadt 1940–1944": Saalfelden, Kunsthaus Nexus, 20.00. Öffnungszeiten der Ausstellung: Di- Sa: 17.00-20.00 sowie nach Anmeldung; Tel.: 06582/759 99. Bis 2. 5.

  • Mit distanzierten Dokumentationen des Ghettoalltags wollten die Nazis eine perverse Idylle darstellen, tatsächlich dokumentierten sie die von ihnen errichtete Hölle. Die Ausstellung "Das Getto Lódz/Litzmannstadt 1940-1944" eröffnet heute im Kunsthaus Nexus von Saalfelden.
    foto: kunsthaus nexus

    Mit distanzierten Dokumentationen des Ghettoalltags wollten die Nazis eine perverse Idylle darstellen, tatsächlich dokumentierten sie die von ihnen errichtete Hölle. Die Ausstellung "Das Getto Lódz/Litzmannstadt 1940-1944" eröffnet heute im Kunsthaus Nexus von Saalfelden.

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