"Der Reichenauer Sommer war einer meiner schönsten"

10. April 2015, 09:00
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Stefan Gorski ist die Entdeckung der Festspiele Reichenau. Heuer spielt er den Sohn in "Bankier Borkman"

Sind Studierende des Max-Reinhardt-Seminars im ersten Jahrgang noch mit einem Spielverbot belegt, so haben viele von ihnen ab dem zweiten Jahr auswärts schon alle Hände voll zu tun.

Stefan Gorski (24) nützte diese Chance, als die Festspiele Reichenau im Vorjahr für das Erster-Weltkrieg-Drama 1914 - Zwei Wege in den Untergang einen jungen Schauspieler suchten. Gorski lernte den Stücktext noch am Vorabend des Castings, und es hat geklappt. Er hat den radikalisierten Attentäter Gavrilo Princip dann so eindrücklich gespielt, dass seine Darstellung auf Anhieb eine Nominierung als bester Nachwuchs beim Nestroypreis nach sich zog.

"Der Reichenauer Sommer war einer meiner schönsten überhaupt", so der junge Mime im Standard-Gespräch. Und nicht nur weil ihm das Theater am Fuß der Rax so gut gefällt, ist er heuer wieder mit dabei. Stefan Gorski spielt in diesem Jahr den Sohn in Ibsens John Gabriel Borkman, das die Festspiele unter dem Titel Bankier Borkman zeigen (Regie führt Alfred Kirchner). Darin ist er das von zwei Frauen mütterlich umkämpfte Kind, das seinen fehlerbehafteten Vater vor die Hunde gehen sieht (siehe Artikel oben).

Eigentlich wollte Stefan Gorski Hollywoodschauspieler werden. Denn: "Der Fernseher war lange Zeit mein bester Freund". Gorski hatte hochfahrende Träume, die sich an Spielfilmen im Flimmerkasten entzündeten. Seine Lebenspläne reichten bis nach Amerika. Aber wie das finanzieren? Weil die Schauspielausbildung am Reinhardt-Seminar gratis war, sprach er vor und wurde aufgenommen. Erst dann entdeckte er die Liebe zur Bühne und zur Literatur. "Ich kam in ein anderes Milieu. Am Anfang hatte ich das gar nicht zu schätzen gewusst."

Stefan Gorski spricht ein astreines Fernsehdeutsch genauso wie er glaubhaft "Buagtheata" sagen kann. Seine zweite Muttersprache ist das Polnische, da seine Eltern vor dreißig Jahren von Zakopane nach Wien emigrierten. Die Verbindungen nach Polen sind leider nicht mehr sehr intensiv.

Immerzu treibt es Stefan Gorski nach vorn. "Ich habe so viele Interessen und bin so neugierig. Ich möchte sehr vieles ausprobieren, auch Film", sagt er. Wie rigoros er sich aber dann einer Sache verschreiben kann, zeigte seine wahrlich famose Darstellung des Gavrilo Princip.

Es gibt viel zu tun für Stefan Gorski: Im Alma-Mahler-Projekt mit Senta Berger spricht er die Liebhaber-Texte (Gropius, Kokoschka, Werfel). Und zuvor - im April und Mai - ist er in Gastspielen im Akademietheater (Das Schlangennest) und in der Josefstadt (Lulu) zu sehen. (afze, Spezial, DER STANDARD, 10.4.2015)


Spezial Festspiele Reichenau ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit den Festspielen Reichenau. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Noch Student, aber schon viel beschäftigt: Stefan Gorski.
    foto: felipe kolm

    Noch Student, aber schon viel beschäftigt: Stefan Gorski.

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