Gumpendorfer Straße: Blumen, Würste und hohe Mieten

Video10. April 2015, 05:30
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Der sechste Bezirk ist mit kleinen Lokalen, Cafés und Geschäften gespickt. Rund um die Gumpendorfer Straße gibt es alles, was das Herz begehrt – aber nur für jene, die sich die steigenden Mieten auch leisten können

Wien – Auf dem Kirchenvorplatz in Wien-Mariahilf sprießen die ersten Krokusse. Es ist ruhig. Vereinzelt sitzen Passanten auf den Parkbänken. Die Frühlingsidylle wird lediglich vom vorbeirauschenden Bus der Linie 57A auf der Gumpendorfer Straße unterbrochen. Viele der Menschen, die bei der Station Brückengasse aus dem Bus steigen, laufen gleich in das nächste Geschäft: "Fleischerei Ringl" steht in Schreibschrift über der Tür. Im Schaufenster hängen Würste von der Decke.

derstandard.at/von usslar

Die Fleischerei ist ein Geheimtipp und einer von vielen kleinen Shops rund um den Kurt-Pint-Platz im Sechsten. Einige Meter weiter findet sich "Michi’s Feinkost". "Es gibt sehr viele Lebensmittelgeschäfte und kleine Lokale in der Gegend", sagt Josef M. Der Mann im braunen Mantel wohnt erst seit kurzem hier. Die gute Lage zog ihn nach Mariahilf: "Man kann zu Fuß hinunter zum Naschmarkt spazieren. Gleichzeitig ist man schnell bei der U-Bahn, kann so ins Zentrum fahren", sagt er. Und wenn er rauswill, setzt er sich in sein Auto und ist im Grünen: "Ich finde es toll hier. Es gibt nichts, was mich stört."

Hippe Lokale

Auch die junge Esther O. liebt die Umgebung ihres Grätzels: "Ich mag es, zum Naschmarkt zu gehen, um dort mein frisches Gemüse zu kaufen", sagt Esther O.: "Ich kann mit dem Rad alles erledigen." Allerdings hätte sie gerne mehr Grünflächen. An den Straßenecken finden sich kleine Beete, die die Mariahilfer selbst bepflanzen und bewässern. Vogelfutter baumelt von den Ästen.

foto: johanna schwarz

Rund um den Platz trifft Alt auf Neu: Neben alteingesessenen Beiseln finden sich hippe Lokale, die Essen aus aller Welt servieren.

"Der Vietnamese am Eck ist fein, und die Straße hinauf gibt es einen guten Inder. Es gibt viel gutes Essen in der der Gumpendorfer Straße", schwärmt Johannes A., der im Sechsten an seiner Diplomarbeit schreibt. Studentin Yasmin Y. kommt extra wegen des Essens zum Kurt-Pint-Platz: "Die Disco Volante macht herrliche Pizza, und in der Nähe liegt das Edu. Es sieht zwar von au ßen nicht so einladend aus, aber es schmeckt dort wirklich."

foto: johanna schwarz

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Geschäft für Kleidung. "Bio-Fair-Trade" ist an die Scheibe geschrieben, Gewand, das auf die Bewohner der Gegend zugeschnitten ist.

Genau das kritisiert Johannes A. Er wünscht sich mehr "soziale Durchmischung". Die gute Lage und die schönen Altbauten haben letztlich ihren Preis. "Menschen mit schlecht bezahlten Jobs können sich die Wohnungen hier nicht mehr leisten", vermutet er.

Steigende Mieten

Wegen der steigenden Mieten ist auch David F. weggezogen. Er lebt jetzt in Währing, in der Nähe des Gürtels – "ein bisschen weiter draußen". Seine neue Wohnung ist billiger und hat auch einen kleinen Garten dabei: "Das mag die Katze." Trotzdem vermisst er Mariahilf: "Hier ist es schon urbaner als im 18." (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 10.4.2015)



Wissen: Wien-Mariahilf

Bei der Bezirksvertretungswahl 2001 holte sich die SPÖ nach über 16 Jahren den sechsten Gemeindebezirk von der ÖVP zurück. Seither ist Mariahilf in roter Hand.

Bei der Bezirksvertretungswahl 2010 erreichte die SPÖ 37,1 Prozent, die Grünen kamen auf 26,1 Prozent. 18,1 Prozent wählten schwarz, 11,1 Prozent blau.

Die Gemeinderatswahl 2010 brachte ein ähnliches Ergebnis: Die SPÖ schaffte es auf 39,9 Prozent, die Grünen erreichten 23,6 Prozent. Die ÖVP wählten 16,7 Prozent, die FPÖ 14,9 Prozent.

Seit 2014 ist Markus Rumelhart (SPÖ) Bezirksvorsteher. Er löste Renate Kaufmann (ebenfalls SPÖ) ab.

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