Türkische Studierende fordern buddhistischen Tempel auf Uni-Campus

9. April 2015, 15:57
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Angekündigte Errichtung einer Moschee auf dem Campus der Technischen Universität Istanbul löst Debatte über Religionsausübung aus

An der Technischen Universität Istanbul wurde vergangenen Monat der Bau einer großen Moschee auf dem Universitätscampus angekündigt. Rektor Mehmet Karaca begründete das Bauvorhaben mit der großen Nachfrage seitens der Studierenden. "Wir wären auch dazu bereit, eine Synagoge zu bauen, sofern diese Nachfrage besteht", fügte der Rektor hinzu.

Die Studierenden nahmen den Rektor beim Wort und initiierten daraufhin unter change.org eine Onlinepetition mit der Forderung, auch einen buddhistischen Tempel auf dem Universitätscampus zu errichten. Die Petition wurde bisher von knapp 20.000 Personen unterzeichnet.

Tempel 2.000 Kilometer entfernt

Die Studierenden begründeten ihr Engagement gegenüber der türkische Zeitung "Cumuhriyet" damit, dass sich viele unter ihnen mit dem Buddhismus identifizieren, ihren Glauben im Alltag allerdings nicht praktizieren könnten, weil der nächste buddhistische Tempel circa 2.000 Kilometer entfernt liege. Sie wünschen sich, dass die Universität dieses Bedürfnis wahrnimmt und ihrer Glaubensrichtung Respekt zollt. In kurzen Befragungen des Senders Kanal D sagten einige der Studierenden, sie lehnten sich nicht primär gegen den Bau einer Moschee auf. Vielmehr wollen sie die Gelegenheit nutzen, das Bedürfnis ihrer Glaubensgemeinschaft kundzutun.

Rektor kann sich Errichtung vorstellen

Der Rektor der Universität reagierte in einem Interview mit der türkischen Zeitung "Hürriyet" positiv auf die Forderungen der Studierenden. Karaca zufolge zeige die Resonanz auf die Petition, dass es gegenwärtig in der Türkei zahlreiche Gruppierungen gibt, die eingeschüchtert sind und sich nicht trauen, ihre Bedürfnisse auszusprechen.

Der Rektor hebt im Interview mit der "Hürriyet" hervor, dass seine Bemerkung mit der Synagoge keinesfalls ironisch zu verstehen sei. "Mir ist es ein Anliegen, dass keine Glaubensrichtung einer anderen gegenüber bevorteilt wird, indem einer mehr Raum für ihre Religionspraxis eingeräumt wird. Wenn die Nachfrage nach einem buddhistischen Tempel besteht, dann soll die Universität als Institution, die Gleichberechtigung anstrebt, diese Möglichkeit gewähren", sagte Karaca.

Er habe nicht mit so vielen Unterschriften gerechnet: "Die gegenwärtige Regierung inszeniert den Glauben wie eine Show und andere Glaubensrichtungen werden in den Hintergrund gedrängt", sagte er zu "Hürriyet". Die Petition zeige, dass eine Vielzahl an Personen nicht bereit sei, diese Indoktrination zu akzeptieren.

Laut dem Fernsehsender Kanal D ist noch nicht entschieden, ob der Bau tatsächlich bewilligt wird. Die Finanzierung würde mit Spenden erfolgen. (ta, derStandard.at, 9.4.2015)

  • Blick auf die Blaue Moschee in Istanbul.
    foto: apa/epa/bozoglu

    Blick auf die Blaue Moschee in Istanbul.

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