Mobilfunker schließen Frieden mit Erzfeind WhatsApp

Analyse12. April 2015, 09:21
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Noch vor einem Jahr war der Messenger der Intimfeind der Handynetzbetreiber, nun geht man gelassener mit der App um

Noch vor einem Jahr war WhatsApp für viele Mobilfunker ein rotes Tuch. Der populäre Messenger, den weltweit mehr als 700 Millionen Menschen nutzen, knabbert an ihren Umsätzen. A1-Chef Hannes Ametsreiter kritisierte diese Entwicklung indem er darauf hinwies, dass "eine Firma wie WhatsApp nie Infrastruktur in Österreich bauen wird." Mittlerweile haben die heimischen Netzbetreiber ein entspanntes Verhältnis zu WhatsApp. Man sich auf die Marktrealitäten eingestellt.

Dabei ist die App wesentlich dafür verantwortlich, dass weit weniger SMS in Österreich verschickt werden. Wurden im vierten Quartal 2011 noch 2,018 Milliarden Nachrichten versandt, waren es im Vergleichszeitraum 2014 nur mehr 1,078 Milliarden. Ein Rückgang von fast einer Milliarde Mitteilungen. Der Grund: Bei vielen Teenagern und Studenten ist WhatsApp mittlerweile das bevorzugte Kommunikationsmittel ihrer Wahl - vor Whatsapp verbrauchten diese Gruppen oftmals mehr SMS als ihr Tarif kostenlos hergab.

WhatsApp-User können nun auch telefonieren

Seit wenigen Wochen können Anwender mit der neuesten Version von WhatsApp auch telefonieren. Der Messenger wird so Mobilfunker um weitere Umsätze erleichtern.

Die Telefon-Funktion steht allerdings nur Android- und Blackberry-Nutzern zur Verfügung. Wann WhatsApp die Funktion auch auf anderen Smartphone-Plattformen wie iOS oder Windows Phone freischaltet, ist derzeit noch nicht klar.

reuters
Derzeit steht die Telefonie-Funktion nur Android- und Blackberry Usern zur Verfügung.

Bei Telefongesprächen via WhatsApp laufen die Gespräche über das Internet auf den Servern der Facebook-Gruppe. Die Qualität der Gespräche kann durchaus überzeugen.

Bisher konnten WhatsApp-Anwender schon im Walkie-Talkie-Stil Audiobotschaften austauschen, aber nicht live wie bei konkurrierenden Diensten wie Skype (Microsoft) oder FaceTime (Apple) telefonieren.

T-Mobile und A1 zeigen sich gelassen

Bei T-Mobile und A1 sieht man diese Entwicklung gelassen. Die Mobilfunker haben ihr Tarifangebot im vergangen Jahr völlig umgestellt. Sprachminuten und SMS stehen Kunden unlimitiert zur Verfügung, das Datenangebot steht im Vordergrund. Auch der Diskonter Hot stellt das Datenvolumen in das Zentrum seiner Angebot.

"Was die Leute mit den Daten machen ist uns egal", sagt T-Mobile-Sprecher Helmut Spudich zum WebStandard. Allerdings sieht er schon ein gewisses Spannungsverhältnis, da WhatsApp keiner Regulierung in Sachen Datensicherheit oder der Bereitstellung von Notruf-Funktionen unterliegt und so Dienste billiger anbieten kann als Mobilfunker. Dies sollte geändert werden, so Spudich.

Klare Nachteile

Bei "3" betont Firmensprecher Tom Tesch, dass der Kunde "jene Technologien nutzen kann, die er möchte." Allerdings sieht man der neuen Sprachfunktion von WhatsApp klare Nachteile gegenüber dem Angebot der Mobilfunker, da diese nur innerhalb der WhatsApp Community nutzbar ist und über keine gemanagte Qualität verfügt. (Markus Sulzbacher, 12.4.2015)

  • WhatsApp ist nicht mehr der Feind der Mobilfunker.

    WhatsApp ist nicht mehr der Feind der Mobilfunker.

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