Kärntner Skandal in Fortsetzungen

Blog9. April 2015, 15:27
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HCB ist neben der Hypo seit Monaten das beherrschende Thema – und ein Paradebeispiel schlechten Krisenmanagements

Die Kärntner können einem leidtun: Was sich seit Monaten rund um den HCB-Skandal abspielt, ist ein Tiefpunkt an politischem und behördlichem Krisenmanagement. Nach den Verwirrungen, Schuldzuweisungen und Dementis der unterschiedlichen Behörden und Messstellen hat nun der Untersuchungsausschuss im Kärntner Landtag seine Arbeit aufgenommen.

Und was passiert? Das Abstreiten, Schuldzuweisen und Einander-die-heiße-Kartoffel-Zuschieben geht weiter. Ohne großen Erkenntnisgewinn bis dato, die Bevölkerung ist nach wie vor verunsichert.

Vorläufiger Höhepunkt: der politische Streit zwischen Grün-Mandatar Michael Johann und BZÖ, FPÖ und Team Stronach in der Frage, ob Johann dem zuständigen Staatsanwalt einen Informationsaustauschdeal vorgeschlagen hat. Johann sagt, das habe "so nicht" stattgefunden.

Vermischung von Ebenen

Bemerkenswert wäre das allerdings in jedem Fall, ob nun so oder "so nicht". Schließlich hat ein U-Ausschuss die Aufgabe, die politische Dimension eines Skandals auszuleuchten. Die strafrechtliche ist Sache der Gerichte, eine Vermischung beider Ebenen ist in jedem Fall problematisch. Auseinandersetzen muss man sich aber wohl auch mit dem Gegenangriff Johanns in Richtung des Ausschussvorsitzenden Wilhelm Korak, der, so der Vorwurf, sein Amt sehr einseitig ausüben soll.

Jedenfalls ist in dieser Causa eine unschöne Kontinuität der Nichtaufklärung festzustellen. Schon als der Kärntner Agrarlandesrat Wolfgang Benger (ÖVP) Ende November bekanntgab, dass erhöhte Werte des Umweltgifts Hexachlorbenzol in Milch und Futter von 35 bäuerlichen Betrieben aus dem Görtschitztal gefunden worden seien, herrschte große Ratlosigkeit: Wer, wie, was, wann, wo? Verursacher? Keine Ahnung!

Blaukalk als Ursache

Bis ein Zementwerk bekanntgab, bereits Anfang Oktober von Bauern von den erhöhten Werten erfahren zu haben, und auf eigene Faust und eigene Rechnung Proben analysieren ließ und die Ursache im eigenen Betrieb fand: Blaukalk war bei bei 400 statt 1.000 Grad Celsius verbrannt worden, weshalb das darin enthaltene Umweltgift HCB nicht zerfiel, sondern über den Schornstein ins Freie gelangte. Dort wurde es über das Gras von Kühen aufgenommen.

Das Werk stellte seine Entsorgung von Blaukalk sofort ein – und war damit eigentlich der einzige Akteur, der relativ zeitnah agierte. Wobei die Betonung auf "relativ" liegt, denn die zuständige Molkerei soll bereits im März 2014 von den erhöhten Werten gewusst, aber nichts unternommen haben. Worauf ein Expertenstreit um Grenzwerte entbrannte, der wiederum die Bevölkerung ratlos außen vor ließ.

Verleugnen gilt nicht

Mag sein, dass man die Menschen nicht beunruhigen wollte – aber durch Verleugnen, Vertuschen und Abstreiten erreicht man genau das Gegenteil. Das erfährt jeder Studierende eines PR-Lehrgangs schon in den ersten Semestern. Schonungslose Aufklärung und ein genauer Plan, wie das vergangene Desaster künftig vermieden werden kann, sind der einzige Weg. Es wäre Zeit, dass sich das bis Kärnten durchspricht. (Petra Stuiber, derStandard.at, 9.4.2015)

  • HCB wurde von den Kühen beim Grasen aufgenommen und gelangte so in die Milch.
    foto: dpa

    HCB wurde von den Kühen beim Grasen aufgenommen und gelangte so in die Milch.

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