Young Fathers: "White Men Are Black Men Too"

10. April 2015, 10:46
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Die Young Fathers verbinden klassischen Soul mit Garagenpunk, Klimperelektronik und Hip-Hop. Das ist aufregend

Das in Edinburgh beheimatete schottische Trio Young Fathers gewann 2014 den renommierten britischen Mercury Prize. Dieser ist im Gegensatz zu den meisten international relevanten Musikpreisen vor allem deshalb interessant, weil er nach künstlerischen Gesichtspunkten und nicht nach Verkaufszahlen vergeben wird. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass aus alt-J jetzt eine gute Band wird, weil sie den Mercury Prize im Jahr zuvor nach Hause trugen. Zumindest setzten sich die Young Fathers aber gegen eine starke Konkurrenz wie Damon Albarn oder FKA Twigs durch.

Das aus einem Weißbrot und zwei Schwarzen bestehende Trio legt nach dem preisgekrönten Album Dead nun schon wieder eine neue Songsammlung vor. Und man gibt sich zumindest mit dem Albumtitel White Men Are Black Men Too zumindest diskussionsfreudig bezüglich Fragen der Ethnie, Identität sowie der politischen Dinge. Die Young Fathers wollen naturgemäß keine Antworten liefern, sondern in guter alter Poptradition nur die richtigen Fragen stellen. Hey, das hier ist Unterhaltungsmusik und nicht Uni. "It' s got issues of race and so what", heißt es in einem internen, aber für die Fanbase veröffentlichten Mailwechsel bezüglich der Titelgebung des Albums.

Und wenn man Alloysious Massaquoi, Kayus Bankole und "G" Hastings auf ihre Musik anspricht, merkt man ebenfalls, dass hier neben politischem Sendungsbewusstsein auch Unterhaltungschemie eine wichtige Rolle im Kunstschaffen spielt. Hey, das sind Schotten! "You wanted to hear The Monks jamming with Can and The Commodores, right? And then The Last Poets jumping in on the end before it gets too late? And a paranoid prophet, wandering a post-apocalyptic desert, talking to himself? Served with fries ..."

Fernsehen im Radio O Tatsächlich klingen die bei aller Vertracktheit nett dahintuckernden Songs der Band wie eine Soulband der frühen 1970er-Jahre, die man mit einem Hip-Hop-DJ und einer Sammlung obskurer Garagenpunk-Singles aus den Sixties in einen Keller gesperrt hätte. Das Ergebnis hört sich dann so an, als hätte jemand das legendäre Dreifachalbum Sandinista der britischen Punk-Überväter The Clash mit zusätzlicher Heimelektronik in das Jahr 2015 transportiert. Die Teile, die das Tempo drosseln und nicht gut für die Aufmerksamkeitsspanne sind, wurden allerdings weggelassen, und statt Joe Strummers blaffender Mittelstand-Revolte hat man halt einen schwarzen Soulster für das Mikro engagiert, der das Ganze gelassener angeht.

Die Vergleiche mit den US-Kollegen TV On The Radio stimmen also alle. Bloß dass TV On The Radio seit ihrem Umzug von New York nach Los Angeles richtig schlecht und superslick "Lalelu" geworden sind. Die Young Fathers, die einige Monate in Berlin verbracht haben, um sich dort, ähm, "inspirieren" zu lassen, sitzen wieder in Edinburgh. Spinner soll man nicht verpflanzen. (schach, Rondo, DER STANDARD, 10.4.2015)

  • Young Fathers - White Men Are Black Men Too (Big Dada)
    foto: big dada

    Young Fathers - White Men Are Black Men Too (Big Dada)

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