Wien Energie bleibt auf Sparkurs

9. April 2015, 12:39
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Kleiner Gewinn 2014 nach massiven Wertberichtigungen im Jahr davor.

Wien – Wien Energie, hundertprozentige Tochter der Wiener Stadtwerke und größter Landesenergieversorger Österreichs, muss den vor zwei Jahren eingeschlagenen Sparkurs zumindest heuer und nächstes Jahr beibehalten. Grund sind die widrigen Rahmenbedingungen, die mit hohen Erzeugungskosten bei vergleichsweise niedrigen Verkaufspreisen umschrieben werden können. Und es droht neues Ungemach, wie das Vorstandstrio Thomas Irschik, Susanna Zapreva und Peter Gönitzer bei der Bilanzpräsentation sagten.

Störfaktor Energieeffizienzgesetz

Da ist zum einen das Energieeffizienzgesetz, das mit 1. Jänner 2015 in Kraft getreten ist und Energieversorger dazu verpflichtet, durch geeignete Maßnahmen bei sich selbst, den eigenen Endkunden sowie interessierten Dritten den Energieabsatz um 0,6 Prozent pro Jahr zu senken. Für Wien Energie bedeutet dies ein Drohpotenzial von 23 bis 24 Millionen Euro – Geld, das quasi als Strafe zu zahlen ist, wenn keine Maßnahmen zum effizienteren Einsatz von Energie ergriffen werden. Als solche werden auch Hinweise an Kunden gewertet, sie sollten stromsparende Geräte statt Stromfressern verwenden. Wie hoch die Maßnahmen im Einzelfall bewertet werden, ist freilich noch offen, weil die damit befasste Monitoringstelle nach einer missglückten Ausschreibung im Vorjahr erst noch zu fixieren ist.

Problem Kraft-Wärme-Kopplung

Zum anderen hängt Wien Energie die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die einst als vorbildhaft galt, weil sehr effizient und mit hohem Wirkungsgrad versehen, wie ein Klotz am Bein. Hoffnungen, dass Brüssel die mit der Regierung paktierte KWK-Förderung als beihilfenrechtlich unbedenklich durchwinkt, dürften sich nicht erfüllen. 38 Millionen Euro waren im Zuge der Verhandlungen um ein Energieeffizienzgesetz paktiert worden, netto immerhin 34 Millionen für ganz Österreich. Etwa 15 Millionen wären Wien Energie zugutegekommen - finanziert über eine Umlage durch alle Strombezieher Österreichs.

"Wenn wir das Geld nicht bekommen, haben wir zweifelsohne ein Problem," sagte Zapreva. "Aber nicht nur wir, sondern ganz Österreich." Dann werde man die Produktion in den KWK-Anlagen, die bereits gedrosselt wurde, auf das absolut Notwendige zur Aufrechterhaltung der Fernwärmeversorgung zurückfahren. Für die Versorgungssicherheit insgesamt sei das schlecht, weil die Kraftwerke in Wien derzeit mehr oder weniger die einzigen Stützen im Osten Österreich sind, wenn der Wind nicht weht die die Erzeugung erneuerbarer Energie einbricht.

Verstärktes Insourcing

Wie schon im Vorjahr sollen heuer und im nächsten Jahr mindestens 15 Mio. Euro eingespart werden. Dazu will man Leistungen, die bisher von externen Firmen erbracht wurden wie Instandhaltung oder Gebäudeschutz verstärkt von eigenen Mitarbeitern erledigen lassen. Der Personalstand, der von 2013 auf 2014 um knapp 40 gesunken ist, soll sich in den kommenden Jahren in ähnlichem Umfang verringern.

2014 hat Wien Energie mit 2730 Mitarbeitern einen Konzernumsatz von 1,79 Mrd. Euro erzielt, um 7,7 Prozent weniger als im Jahr davor. Grund seien überdurchschnittlich warme Temperaturen gewesen, die den Absatz von Strom, Gas und Wärme gedrosselt hätten. Auch die weiter gefallenen Preise hätten sich dämpfend ausgewirkt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, das 2013 durch hohe Wertberichtigungen mit 268 Millionen Euro negativ war, lagt 2014 bei 40,4 Mio. Euro. (Günther Strobl, derStandard.at, 9.4.2015)

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