Wildpferdähnliche Koniks ziehen in Auenreservat ein

9. April 2015, 11:20
35 Postings

Tiere als Landschaftsgestalter: WWF startet Beweidungsprojekt in Niederösterreich

Marchegg - Der Tarpan, das einstmals in Europa verbreitete Wildpferd, ist zwar unwiederbringlich dahin, aber es hat in der Geschichte verschiedene Versuche gegeben, aus seinen Hauspferd-Nachfahren Rassen mit "urtümlichen" Merkmalen zu züchten. Eine davon ist das aus Osteuropa stammende Konik, das nun in einem WWF-Projekt in Niederösterreich eingesetzt werden soll.

Die Umweltschutzorganisation will in ihrem Auenreservat in Marchegg im Bezirk Gänserndorf ein Beweidungsprojekt mit Koniks aus einem polnischen Reservat umsetzen. Die robusten Tiere seien perfekt an die Bedingungen in der Au angepasst und können ganzjährig im Freien leben.

Lange Tradition

Mit der Ansiedlung der Koniks knüpft die Naturschutzorganisation an alte Traditionen an: Wildlebende Huftiere wie Auerochse und Tarpan prägten über Jahrtausende die Landschaft Mitteleuropas. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein übernahmen dann Haustiere wie Rinder und Pferde deren Funktion als Landschaftsgestalter. Die großen Pflanzenfresser schufen ein Mosaik unterschiedlicher Wiesen- und Weiderasen - idealer Lebensraum für beispielsweise den Weißstorch. Im Auenreservat Marchegg wurden nachweislich zuletzt um 1930 große Flächen beweidet.

Von Polen über Deutschland bis in die Niederlande werden Koniks seit vielen Jahren in großen Naturreservaten gehalten. "Die auf den Wiesen grasenden Pferde sollen einen wichtigen Beitrag zur naturnahen Entwicklung der Auenlandschaft leisten. Viele gefährdete Arten wie Weißstorch oder Feuerfalter werden von den neu geschaffenen Lebensräumen profitieren", erklärte WWF-Projektleiter Gerhard Egger. Die Beweidung stelle außerdem eine praktische Alternative zur Mahd dar, da die nassen Flächen der Au nur schwer zu mähen sind.

Das Projekt

Die Einrichtung der Pferdeweide wird von der EU im Rahmen des "LIFE+"-Projekts Renaturierung Untere March-Auen ermöglicht. Die Infrastruktur wurde im Rahmen einer interdisziplinären Vorstudie unter Beteiligung der Fachabteilungen des Landes Niederösterreich, des Bezirks Gänserndorf und Experten geplant.

Die Vorbereitungen für die Errichtung einer großzügigen Koppel laufen auf Hochtouren, der Weidezaun sei schon fast fertiggestellt, hieß es vom WWF. Ab dem Sommer soll die Gründerherde, die schrittweise anwachsen soll, zu beobachten sein. Ein Informationsabend zum Projekt ist für den 28. April (17.00 Uhr) im Schlossgasthof Marchegg angesetzt. (APA/red, derStandard.at, 9.4. 2015)

  • Koniks am Waldrand: beinahe wie eine Szene aus dem prähistorischen Europa.
    foto: apa/wwf/manuela ablasser

    Koniks am Waldrand: beinahe wie eine Szene aus dem prähistorischen Europa.

  • Artikelbild
    foto: apa/wwf/manuela ablasser
Share if you care.