"Trollface": Wie ein Meme hunderttausende Dollar einbringt

9. April 2015, 12:28
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Carlos Ramirez hat sein Bild als 17-Jähriger auf 4Chan gepostet und verdient mittlerweile mit Lizenzen

Es gehört zum Kanon der Internet-Memes: Immer wieder stößt man im Netz auf das "Trollface", das unangenehme Internetnutzer darstellen soll. Seinen Ursprung hat das Meme in einem Comic, den der damals 17 Jahre alte Carlos Ramirez im Messageboard 4Chan gepostet hatte. Ramirez wollte bebildern, dass Nutzer oft dumme Argumente verwenden und sich dann als "Trolle" herausreden, weil sie ihre Einfältigkeit verbergen wollen. Ramirez zeichnete den Comic in MS Paint, stellte ihn online und ging schlafen.

Hoher Wiedererkennungswert

Am nächsten Tag war das Bild mehrfach geteilt worden, einige Wochen später war es "plötzlich überall", wie Ramirez gegenüber Kotaku erzählt. Warum das "Trollface" so populär geworden ist, weiß Ramirez bis heute nicht sicher. "Es hat einen hohen Wiedererkennungswert, kann aber in vielen Variationen gezeigt werden", so Ramirez. Er genoss heimlich, eines der wichtigsten Internet-Memes erschaffen zu haben, und weihte einzig seine kleinere Schwester ein. An Urheberrechtsansprüche dachte Ramirez lange Zeit nicht.

Über 100.000 Dollar

Erst 2010, zwei Jahre nach der Kreation des Comics, erzählte Ramirez seinen Eltern vom "Trollface"-Meme. Überraschenderweise war seine Mutter wahnsinnig stolz. Das brachte ihn dazu, sich offiziell als Urheber der Internetsensation registrieren zu lassen. Daraufhin begann Ramirez, Lizenzen für die Nutzung seines Werks auszustellen – und bei strittigen Angelegenheiten auch vor Gericht zu ziehen. Seit 2010 habe er weit mehr als 100.000 Dollar eingenommen, berichtet Kotaku. Zeitweise erreichte er sogar monatlich fünfstellige Beträge.

Verkaufsstop für Meme Run

Er wolle selbst kein Copyright-Troll sein, so der Erfinder des "Trollface". Jedes Projekt, das seine Erfindung nutze, werde individuell betrachtet. Unternehmen, die tatsächlich Geld mit dem "Trollface" verdienen, müssen aber einen Teil bei ihm abliefern. Deshalb sorgte Ramirez sogar dafür, dass das Wii-U-Spiel "Meme Run", das um 4,99 Dollar angeboten wurde, aus dem Verkauf genommen wurde. "Hätten sie mich gefragt, hätten wir eine Einigung erzielt", sagte Ramirez zu Kotaku. Doch einfach Memes für kommerzielle Zwecke zu stehlen gehe nicht.

Wie lange noch viral?

Unklar bleibt, ob sich Ramirez damit nicht auch ins eigene Fleisch schneidet. Denn Memes leben natürlich davon, dass sie weiterverbreitet werden. Ihre Nutzung ist kaum zu kontrollieren. Das weiß auch Ramirez: "Ich will mein Meme nicht töten." Einstweilen gehört das "Trollface" jedenfalls noch zu den bekanntesten Darstellungen im Netz. (fsc, derStandard.at, 9.4.2015)

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Kotaku

  • Das Trollface lebt in unzähligen Variationen weiter.
    foto: screenshot

    Das Trollface lebt in unzähligen Variationen weiter.

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