Mutmaßlicher IS-Hackerangriff auf französische Sendergruppe TV5Monde

9. April 2015, 08:18
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Sendebetrieb lahmgelegt und Drohungen auf Sender-Websites

Eine Hacker-Attacke von mutmaßlichen Mitgliedern der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Sendebetrieb der französischen Fernsehsendergruppe TV5Monde stundenlang zum Erliegen gebracht und ihre Websites gekapert. "Wir sind nicht mehr imstande, irgendeinen unserer Kanäle auszustrahlen", sagte Senderchef Yves Bigot in der Nacht auf Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Auf der Facebook-Seite des Senders prangerten die Hacker die Beteiligung Frankreichs am internationalen Militäreinsatz gegen den IS an.

Mehrstündige Sendepause

Der Hackerangriff habe am Mittwochabend gegen 22.00 Uhr begonnen, sagte Bigot. Seitdem hätten die Kanäle von TV5Monde nicht mehr ausgestrahlt werden können. Auch über ihre Website und ihre Konten in sozialen Netzwerken habe die Sendergruppe keine Kontrolle mehr. Gegen 01.00 Uhr nachts konnte TV5Monde seinen Sendebetrieb wieder aufnehmen. Über ihre Facebook-Seite erlangte die Sendergruppe schon gegen Mitternacht die Kontrolle zurück, die Senderwebsite funktionierte jedoch vorerst nicht und wurde mit einem Wartungshinweis versehen.

Persönliche Dokumente

Auf der Facebook-Seite von TV5Monde hatten die Hacker zuvor Dokumente veröffentlicht. Dabei handelte es sich nach ihren Angaben um Ausweise und Lebensläufe von Familienmitgliedern von französischen Militärangehörigen, die an Einsätzen gegen den IS beteiligt seien.

"Soldaten Frankreichs, haltet Euch vom Islamischen Staat fern!", warnten die Hacker auf Facebook. "Ihr habt die Chance, das Leben Eurer Familie zu retten, nutzt sie." Weiter hieß es: "Im Namen Allahs, des Allergütigsten, des sehr Barmherzigen, führt das CyberKalifat weiter seinen Cyber-Jihad gegen die Feinde des Islamischen Staates." Das CyberKalifat suche derzeit nach den "Familien der Militärs, die sich an die Amerikaner verkauft haben".

Warnung ausgesprochen

Die Hacker warfen dem französischen Staatschef Francois Hollande vor, mit der Beteiligung an dem Militäreinsatz der US-geführten Koalition gegen den IS im Irak und in Syrien einen "unverzeihlichen Fehler" gemacht zu haben. "Darum haben die Franzosen die Geschenke bei 'Charlie Hebdo' und Hyper Cacher erhalten", hieß es.

Im Jänner hatten islamistische Attentäter bei einer Anschlagsserie in Paris 17 Menschen getötet. Die Brüder Cherif und Said Kouachi erschossen im Zuge ihres Angriffs auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" zwölf Menschen, der Islamist Amedy Coulibaly wird für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Montrouge südlich der Hauptstadt und die blutige Geiselnahme in dem jüdischen Supermarkt Hyper Cacher mit vier Toten verantwortlich gemacht.

Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat bekannten sich zu der Anschlagsserie von Paris. Coulibaly bezeichnete sich jedoch als Mitglied des IS.

Neue Anti-Terror-Gesetze

Mitte März wurde in Frankreich erstmals nach der Verabschiedung eines neuen Anti-Terror-Gesetzes der Zugang zu Internetseiten wegen terrorverherrlichender Inhalte blockiert. Gesperrt wurde der Zugang zu fünf Websites, darunter der Internetauftritt des Al-Hayat Media Center, das Propaganda für den IS gemacht hatte.

Die in Paris ansässige TV5Monde ist eine französischsprachige Sendergruppe, die weltweit in mehr als 200 Ländern sendet. Am Tag des Hackerangriffs hatte sie einen neuen Themenkanal gestartet, in dem es um die französische Lebensart geht und der unter anderem im Nahen Osten und in Nordafrika ausgestrahlt wird. An der Zeremonie zum Sendestart hatte auch der französische Außenminister Laurent Fabius teilgenommen.

Update: 14:30

Die Webseite ist nach dem Hackerangriff wieder zugänglich. Am Donnerstagnachmittag konnten Internetnutzer die Inhalte der Seite wieder abrufen. (APA, 8.4.2015)

Links:

Guardian

  • Auf Facebook gibt der Senderchef Auskunft über die Cyberattacke
    foto: screenshot

    Auf Facebook gibt der Senderchef Auskunft über die Cyberattacke

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