Elk: Starker Gegenwind wegen Gehaltsverzichts

9. April 2015, 12:00
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Belegschaft und Gewerkschaft in Schrems wollen nicht für die Expansion in Großbritannien bluten. Die bindet massiv Kapital

Wien – Auf heftigen Widerstand stößt die Idee des Fertigteilhausbauers Elk, Geschäftsausbau und Auslandsexpansion mittels Lohnverzicht der Belegschaft im niederösterreichischen Waldviertel zu finanzieren. "Sicher nicht", lautet die knappe Reaktion aus Bau-Holz- und Privatangestelltengewerkschaft. Man könne über alles reden, aber einseitig verkündete Lohn- und Gehaltsverzichte werden sicher nicht stattfinden", stellte Bau-Holz-Gewerkschaftschef Josef Muchitsch am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung mit Privatangestelltengewerkschafter Karl Proyer klar. Nachsatz: "Wir halten es für kein gutes Geschäftsmodell, Expansion mit Lohnverzicht finanzieren zu wollen.

Ein solches Modell betreibe Elk auch nicht, betonte Elk-Finanzvorstand Gerhard Schuller auf STANDARD-Anfrage. Aber der für das Unternehmen wichtige Schritt hin zu Großaufträgen in Großbritannien – im Großraum London und Oxford werden mit einem britischen Partner Schulen, Studentenheime und Wohnbauten als Fertighäuser mit bis zu sieben Stockwerken errichtet – ziehe massive Vorleistungen nach sich. Allein für dieses Projektgeschäft habe man in Schrems 120 Mitarbeiter aufgenommen. "Auch ein Fertighaus lebt von Handarbeit", sagt Schuller.

Billigere Mischsätze

Insgesamt beschäftigt Elk in Schrems 720 Mitarbeiter, weitere 280 in Planá in Tschechien, wo auch ein Fenster- und Türenwerk betrieben wird. Je mehr Bausätze für britische Bauprojekte, desto höher die zu finanzierenden Vorleistungen. Um gegen lokale Konkurrenz punkten zu können, müsse man mit Mischsätzen zwischen den 28,5 Euro in Österreich und 9,80 Euro in Tschechien kalkulieren, rechnet Schuller vor. Der Personalaufwand in Schrems sei 2014 von 34 auf 39 Millionen Euro gestiegen.

Hier schließt sich der Kreis zum aktuell geforderten Lohnverzicht von drei bis vier Prozent. Laut Unternehmensleitung geht es insgesamt um einen Beitrag in der Größenordnung von 800.000 Euro, wobei Gagen unter 2.000 Euro brutto ebenso wenig zur Kassa gebeten werden sollen wie Tariflöhne oder Führungskräfte, deren leistungsorientierte Gagen bereits um zehn Prozent gekürzt worden seien. Aber man zahle in Schrems im Schnitt 25 Prozent über Kollektivvertrag. Rund 800.000 Euro sollte die von der Geschäftsführung der Kerngesellschaft Elk Fertighaus GmbH (im Wesentlichen das Produktionswerk in Schrems) ventilierte Maßnahme pro Jahr bringen. "Um die Vorleistungen im Projektgeschäft für zwölf bis 18 Monate finanzieren zu können", wie Schuller im STANDARD-Gespräch betont.

Viel Fremd-, wenig Eigenkapital

Zum Vergleich: Der Jahresüberschuss der Elk Fertighaus GmbH im Jahr 2013 betrug 846.326 Euro. Aus ihnen wurden erst durch Gewinnvorträge aus den Vorjahren jene 15,6 Millionen Euro Bilanzgewinn, die das Stammwerk in Schrems 2013 auswies.

Ein Blick in die jüngsten im Firmenbuch hinterlegten Bilanzen zeigt, dass es trotz zufriedenstellender Auslastung Bedarf an Sparsamkeit gibt: Die Eigenkapitaldecke des Marktführers für Fertighäuser kann eine Verstärkung vertragen. Mit 7,43 Prozent war die Eigenkapitalquote des Konzerns (Eigenkapital gemessen am Gesamtkapital) im Jahr 2013 eher dünn. Der Verschuldungsgrad (Fremdkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital) hatte sich zwar verbessert, betrug aber immer noch 92,53 Prozent. Mit Zahlen für 2014 geizt Elk noch, weil nur vorläufig. Der Umsatz in Schrems stieg von 114 auf 134 Millionen Euro, der im Konzern auf 168 Millionen Euro.

Heizkostenzuschuss

Als Belastung weist die Bilanz noch Heizkostenzuschüsse aus, die 2009, inmitten der Finanzkrise, als Kaufanreiz dienten. Diese auf zehn Jahre laufenden Verpflichtungen seien einzuhalten, heißt es, das Volumen betrage 130.000 Euro pro Jahr. Aus dieser Zeit resultiert auch Misstrauen der Belegschaft gegenüber der Firmenleitung. 2011 wurde ein Gewinnbeteiligungsmodell kreiert, bei dem sieben Prozent des Bruttogehalts einbehalten wurden, um sie später vom Gewinn an die Belegschaft auszuschütten. Aus dem Gewinn wurde leider nichts und die Beschäftigten bekamen nur das Einbehaltene Geld zurück. Daher habe man das Programm nach zwei statt nach sieben Jahren wieder gestoppt, sagt Schuller, der einräumt, dass "die neun Prozent teilweise verloren" waren.

Alternativen zum Gehaltsverzicht hat das Unternehmen nach eigenen Angaben noch nicht in der Schublade. Eine Auslagerung der Produktion von Schrems etwa nach Tschechien sei keine. Das würde hohe Investitionen auslösen und dauern, bis das Personal entsprechend aufqualifiziert wäre, gibt Schuller zu. Andererseits verknüpfte man in einer Aussendung am Mittwoch den Bestand des "Zukunftsstandorts Waldviertel", an den die Produktion der im Vorjahr übernommene Produktion der Zenker-Fertighäuser verlagert worden war, mit den nun diskutierten Gehaltsmaßnahmen. "Wer Nein sagt zur Kürzung wird nicht gekündigt", versichert der Finanzvorstand.

Am 13. April findet ein runder Tisch mit den Betriebsräten statt, tags darauf sind auch die Gewerkschafter dabei. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 9.4.2015)

  • Damit es beim Fertighausbauer Elk weiter aufwärts geht, müssen viele Menschen Häuser kaufen und die Mitarbeiter sollen Lohnverzicht üben.
    foto: robert newald

    Damit es beim Fertighausbauer Elk weiter aufwärts geht, müssen viele Menschen Häuser kaufen und die Mitarbeiter sollen Lohnverzicht üben.

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