Der Riesensalamander wartet, was ihm vors Maul kommt

8. April 2015, 20:00
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Ein Team spanischer und österreichischer Forscher analysierte, wie der Lauerjäger am Gewässergrund zupackt

Wien/Barcelona Barcelona/Wien - Mit einer Körperlänge von eineinhalb Metern wirkt der Chinesische Riesensalamander (Andrias davidianus) wie ein Relikt aus dem Zeitalter, als es noch Lurche in der Größe von Krokodilen gab. Ein allzu aktiver Jäger ist das größte lebende Amphibium allerdings nicht.

Der Riesensalamander, der mit seinen winzigen Augen kaum sehen kann, liegt gerne am Grund eines kühlen Gewässers und wartet auf vorbeischwimmende Fische, Krebse und Würmer. Und am besten kann er sie fangen, wenn sich die Beute direkt vor seiner Nase befindet, fand ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung durch 3D-Computermodelle heraus und berichtet darüber im Fachblatt "PLOS ONE".

Analyse

Die Wissenschafter rekonstruierten dafür die Kiefer des Tiers mit Computertomographie-Scans zweier Riesensalamander-Schädel. Dann modellierten sie die Kräfte, die während des Zubeißens in den Schädelknochen auftreten. An der Studie wirkte Egon Heiss vom Department für Integrative Zoologie der Universität Wien mit, sie wurde von Josep Fortuny von der "Polytechnischen Universität Katalonien" in Barcelona geleitet.

Laut den Computeranalysen lebt der Riesensalamander vorwiegend von Beutetieren, die sich beim Zuschnappen direkt vor seinem Maul befinden. Er könne aber auch schnelle, seitliche Beißbewegungen machen, wobei er seine Opfer nur mit einer Seite des Kiefers fängt, berichten die Wissenschafter. "Wenn sich die Beute nicht in einer optimalen Position befindet, muss das Tier vermutlich zweimal zufassen", erklärte Fortuny. Der Salamander zieht dann die Beute an die Rückseite des Kiefers, wo ein stärkerer Biss eine Flucht verhindert.

Weil der Chinesische Riesensalamander viele altertümliche Eigenschaften besitzt, könne man aus solchen Untersuchungen Erkenntnisse ableiten, wie sich die ersten Landwirbeltiere einst ernährten, meinen die Forscher. (red/APA, derStandard.at, 2.4. 2015)

  • "Ich schau dir in die Augen, Kleines."
    foto: egon heiss

    "Ich schau dir in die Augen, Kleines."

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