Ammoniten hatten genug Auftrieb, um sich schwimmend fortzubewegen

12. April 2015, 20:28
12 Postings

Bildgebende Verfahren lieferten Hinweise, dass die ausgestorbenen Kopffüßer mithilfe ihres Gehäuses schwimmen konnten

Bochum - Über rund 350 Millionen Jahre hinweg zählten Ammoniten zwischen dem Unterdevon und dem Ende der Kreidezeit zu den dominierenden Köpffüßern. Heute nimmt man an, dass sich die in einzelnen Fällen bis über einen Meter großen Weichtiere mit ihren schneckenartigen Gehäusen schwimmend fortbewegt haben. Eindeutig bewiesen war diese These bisher allerdings nicht. Nun haben Paläontologen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) mithilfe hochaufgelöster computertomografischer Bilder belegt, dass dem tatsächlich so war.

Ammoniten besaßen einen Weichkörper, der in einem spiralig aufgewundenen Gehäuse mit mehreren Kammern steckte. Eine Theorie besagt, dass die Tiere am Meeresboden lebten. Eine andere behauptet, dass sie schwimmen konnten, indem sie das Wasser aus ihrem Gehäuse pumpten, so dass die gasgefüllten Kammern ihnen Auftrieb verliehen. René Hoffmann von der Ruhr-Universität Bochum untersuchte nun mit seinem Team, wie viel Auftrieb ein Ammonitengehäuse erzeugen konnte.

Zunächst entwickelten die Bochumer Paläontologen anhand von Nautilusgehäusen eine zuverlässige Auswertprozedur für die computertomografischen Bilder. Mit ihrer Methode können sie nun die Volumina der untersuchten Schalen exakt bestimmen und daraus deren Gewicht ermitteln. Auch die Volumina der gasgefüllten Kammern lassen sich auf diese Weise berechnen. Aus den Angaben ergibt sich der Auftrieb, den das Gehäuse erzeugt hat. Um herauszufinden, ob die Tiere schwimmen konnten, müssen die Forscher wissen, ob der Auftrieb das Gewicht des Weichkörpers und der Schale wettmachen konnte. Letzteres schätzen sie nach dem Vorbild Nautilus.

Schon als Jungtier schwimmfähig

Für die CT-Analyse benötigten die Forscher hohle fossile Ammoniten. Hilfreich erwies sich dabei ein 0,98 Millimeter großer Ammoniten-Schlüpfling. Das Ergebnis der Messungen: Drei bis fünf gasgefüllte Gehäusekammern hätten gereicht, um Ammoniten direkt nach dem Schlüpfen ein Leben im freien Wasser zu ermöglichen. Das untersuchte Gehäuse besaß elf Kammern. Es ist allerdings nicht zu sagen, wie viele davon bereits zum Zeitpunkt des Schlüpfens existierten – je größer die Tiere wurden, desto mehr Kammern legten sie an. Die Analysen ergaben allerdings auch, dass der Schlüpfling selbst mit nur einer gasgefüllten Kammer nicht zu einem Leben am Boden verdammt gewesen wäre; mit aktiven Schwimmbewegungen hätte er sich im Wasser frei bewegen und ein Absinken verhindern können. (red, derStandard.at, 12.4.2015)

  • Mit hochauflösender Röntgenstrahlung untersuchen deutsche Paläontologen fossile Ammoniten. Das Ergebnis: Die Kopffüßer waren vermutlich - ähnlich wie der rezente Nautilus - schwimmend unterwegs.
    foto: rubin, hoffmann

    Mit hochauflösender Röntgenstrahlung untersuchen deutsche Paläontologen fossile Ammoniten. Das Ergebnis: Die Kopffüßer waren vermutlich - ähnlich wie der rezente Nautilus - schwimmend unterwegs.

Share if you care.