Athens Forderung an Berlin: Schuld und Schulden

Kommentar8. April 2015, 17:28
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Politisch und moralisch wünscht man sich mehr Sensibilität von den Deutschen

Ein Pappenstiel ist es nicht, was Griechenland da an Reparationszahlungen berechnet hat. 278,7 Milliarden Euro umfasst jene Summe, die Berlin Athen für alle Schäden und Schulden aus der NS-Besatzungszeit - samt Zins und Zinseszins - noch schulden soll.

Zum Vergleich: Im deutschen Bundeshaushalt sind für das laufende Jahr Ausgaben von 299,5 Milliarden Euro vorgesehen. Doch nicht nur aufgrund der hohen Summe ist jetzt schon klar, dass Berlin sich dieser Forderung nicht beugen wird. Ein ums andere Mal wiederholt die deutsche Regierung, dass die Frage von Entschädigungszahlungen rechtlich und politisch abgeschlossen sei.

Juristisch mag sie recht haben, die endgültige Klärung obläge ohnehin dem Internationalen Gerichtshof. Politisch und moralisch aber wünscht man sich mehr Sensibilität von den Deutschen. Unter seine NS-Vergangenheit wird das Land noch lange keinen Schlussstrich ziehen können.

Deutschland stelle sich seiner Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten und sei sich bewusst, "welche Grausamkeiten wir angerichtet haben" - das sagte Angela Merkel zu Alexis Tsipras, als dieser in Berlin war. Die aberwitzig hohe Summe von 278,7 Milliarden Euro wird das griechische Volk natürlich nicht bekommen, das weiß es selbst. Aber auf eine Geste in Form eines von Deutschland finanzierten Versöhnungsprojektes sollte es - ungeachtet der Schuldendebatte - schon hoffen dürfen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 9.4.2015)

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