Für Bohnenstangen: Gladiatorensandalen

Kolumne9. April 2015, 05:30
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Ist ja logisch: Wenn die Rocksäume nach oben wandern, klettern die Schuhe hinterher. Wohl auch deshalb sind die Gladiatorensandalen zurück

Manche Schuhe passen besonders gut in die Jahreszeit, in der es draußen wächst, rankt und gedeiht. Gladiatoren-Sandalen zum Beispiel. Denn das sind jene Sandalen mit den endlos langen Schnüren und Schnallen, die die weiblichen Unterschenkel wie sonnenhungrige Bohnentriebe empor klettern. Deren Geheimnis? Je mehr Luft und Licht und Bein zum Umwickeln, desto besser sehen sie aus.

Dabei waren sie nach ihrem letzten großen Hoch 2008 eine halbe Ewigkeit verschwunden. Irgendwie war das auch nicht verwunderlich. Denn damals machten einfach viel zu viele mit. Der Overkill ließ also nicht lange auf sich warten. Gwyneth Paltrow kombinierte goldene Römersandalen zu dunkel lackierten Nägeln, Halle Berry tat es ihr wenig später gleich und die Olsen-Zwillinge in ihren abgeschnittenen Jeansshorts waren erst recht vorne mit dabei. Die Gladiatoren-Sandalen gehörten, wenn man so will, zu den Trend-Pflänzchen, die die erste Generation der Modeblogs erst eifrig begoss, um sie dann wieder dem Erdboden gleich zu machen.

Frühjahrshit & Shitstorm

Und jetzt? Ist genügend Gras über die Sache gewachsen, um an die vergitterten Unterschenkel von damals anzuknüpfen. Die Gladiatorensandale gehöre zu den Hits dieses Frühjahrs, orakelte nicht zuletzt Justin O'Shea, die findige Trüffelnase von Mytheresa.com.

Dabei hatte die Sandale, deren Bezeichnung sich an die flachen Ledertreter des Römischen Reichs anlehnt, in den letzten Tagen erst einen Shitstorm zu überstehen. Ausgerechnet die Modekette Zara hatte in ihrem Onlineshop ein Sandalenmodell als "Sklaven-Sandale" betitelt. Innerhalb weniger Stunden blähte die Netzgemeinde die Nüstern. Ganz so, als ob die Gladiatorensandale eine korrektere Bezeichnung und jene breitbrüstigen Gladiatoren, wie sie Kirk Douglas 1960 als "Spartacus" verkörperte, die besseren Namensgeber für das Ledergitter um Rist und Bein seien.

Dabei waren die "Sklavensandalen" einem plumpen Übersetzungsfehler, einer allzu wortgetreuen Übertragung der spanischen "sandalias esclavas" ins Deutsche geschuldet. Was die sensibilisierten Konsumenten spätestens jetzt wissen: Sparmaßnahmen machen auch vorm Text nicht halt. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 9.4.2015)

Eine Auswahl aktueller Modelle

foto: chloe
  • Geschnürt bis zum Knie: Ein Model bei der Präsentation der aktuellen Frühjahr-/Sommer-Kollektion von Valentino.
    foto: apa/epa/langsdon

    Geschnürt bis zum Knie: Ein Model bei der Präsentation der aktuellen Frühjahr-/Sommer-Kollektion von Valentino.

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