"Der kleine Tod": Sex zum Brüllen

Rezension9. April 2015, 05:30
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Ein neuer australischer Film wird als wahrscheinlich beste Komödie über Sex bezeichnet – es könnte stimmen

Seien wir doch ehrlich: Sex ist eine ziemlich wichtige Sache im Leben. Zu viel, zu wenig, gut, schlecht, konventionell oder in Spielarten: Darüber lässt sich stundenlang nachdenken und noch länger reden. Viele gehen zum Arzt, wenn diese primäre Körperfunktion nicht mehr funktioniert.

Unbestritten beflügelt Sex auch die Fantasie, und zwar in vielerlei Hinsicht. Und gibt deshalb Stoff, aus dem seit Jahrtausenden Geschichten geschnitzt werden.

foto: filmladen
Sieht aus wie eine normale Filmszene, ist es aber nicht: Regisseur Josh Lawson spielt selbst eine Hauptrolle in seinem Film.

Auf der filmischen Klaviatur des Geschlechtsakts lässt sich ganz Unterschiedliches spielen. In der plattesten Form sind es Pornos, auch seichte Liebeskomödien kommen selten ohne Bettszenen oder wenigstens Anspielungen darauf aus. Am anderen Ende des Darstellungsspektrums wird Sexualität in ihren perverseren Formen zelebriert, Lars von Trier hat das kürzlich mit "Nymphomaniac" bewiesen.

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Rollenspiele zur Belebung des Sexlebens: Polizistinnen sind ein gute Projektionsfläche.

Was im Leben wie im Film eher selten war, ist die Kombination aus Lachen und Sex. Das gibt es ganz selten. Ein neuer Film, der das richtig gut kann, läuft ab heute in Österreichs Kinos. "Der kleine Tod" ist eine Komödie über allerlei seltsame sexuelle Spielarten, die einen richtig laut auflachen lässt. Der australische Schauspieler Josh Lawson feiert mit subtilem Humor sein Debüt als Filmregisseur.

Dass "Der kleine Tod" auf französisch Orgasmus bedeutet, steht schon auf dem Plakat. Dem Orgasmus jedenfalls jagen so gut wie alle Protagonisten dieses Films nach. Jeder und jede auf seine ganz eigene, immer sehr spezielle Weise.

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Ein Highlight: Telefonsex in Gebärdensprache übersetzt.

In losen Episoden hat Lawson ausgefallene Fetische auf der Leinwand versammelt. Rollenspiele zur Belebung des Sexlebens oder dreckige Telefonate bei einschlägigen Hotlines sind dabei die noch eher bekannten Varianten.

Exotischer ist die Geschichte von Dacryphilie, die Erregung, die beim Beobachten eines weinenden Menschen entsteht. Oder Somnophilie, das sind Menschen, die nur beim Betrachten einer schlafenden Person können.

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Füße – warum eigentlich nicht?

Vor allem: Manche Fetische können auch ziemlich lustig sein, vor allem, wenn sie so wie in diesem Film mit Pointen inszeniert sind. Regisseur Josh Lawson übrigens spielt selbst einen Fußfetischisten – und ist bereit, dafür ziemlich viel zu tun.

Fazit: Gute Storys, gute Musik und guter Sex – ganze 96 Minuten lang. (Karin Pollack, derStandard.at, 9.4.2015)

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