"Überflüssige Gewalt": Shooter "Postal" nicht für Google Play Store zugelassen

8. April 2015, 11:36
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Entwickler peilen andere App-Stores an und sehen sich benachteiligt

Geht es um die Ablehnung oder Entfernung von Spielen aus dem eigenen Store für mobile Apps, hat Apple eine lange Vorgeschichte. Schon öfters wurden Games nicht für iTunes zugelassen, weil sie dem Unternehmen etwa zu anzüglich waren ("Happy Play Time") oder umstrittene Themen wie Suchtmittel ("Weed Firm") behandelten. Zuletzt verbot Apple Entwicklern gar, Waffen auf den Screenshots der Store-Seiten ihrer Spiele abzubilden. Oft wurde als Gegenbeispiel zu diesem Vorgehen Googles Play Store für Android-Apps genannt, wo sich in der Tat auch manche Games finden, denen von Apple der Eintritt verwehrt wurde.

Doch auch Google kennt inhaltliche Grenzen und scheint diese nun bei einem bekannteren Projekt auch durchzusetzen. Wie Spielehersteller Running With Scissors berichtet, hat das Unternehmen die Android-Umsetzung des ersten Teils von "Postal" abgelehnt.

Entwickler beklagen ungleiches Maß

"Postal", eine Reihe die mittlerweile drei Teile, ein 2009 veröffentlichtes Mobile Game sowie einen von Uwe Boll umgesetzten Film umfasst, ist seit dem Erscheinen des Erstlings im Jahr 1997 umstritten. Denn der Spieler begibt sich darin auf einen Amoklauf, dessen Hintergründe weitgehend offen bleiben. Das Spiel belohnt auch das Töten unbewaffneter Zivilisten und spart bei seiner Inszenierung nicht mit Blut.

"Überflüssige Gewalt" ist laut den Entwicklern auch der offizielle Grund, warum "Postal" nicht auf Google Play erscheinen darf. "In was für einem Jahr leben wir?", fragen sich die Macher auf Twitter und verweisen darauf, dass auch mehrere Teile von "Grand Theft Auto" auf dem App-Marktplatz zu haben sind. Android Police ergänzt, dass sich dort auch Titel wie "Carmaggeddon" finden, wo es Zusatzpunkte für das Überfahren von Fußgängern gibt.

Nur "übertriebene reale Gewalt" verboten

Die Store-Richtlinien erlauben prinzipiell Gewaltdarstellung in unterschiedlicher Abstufung nach Altersgruppe. Keine größeren Probleme hat man etwa mit "realistischer oder intensiver fiktionaler Gewalt" und "grafischer Gewalt", nur "übertriebene reale Gewalt" bzw. deren Abbildung wird explizit verboten.

Der erste Teil von "Postal" ist im PC-Original ein Shooter, der in isometrischer Perspektive und vereinzelt auch aus Vogelperspektive gespielt wird. Zu haben ist er über diverse Plattformen, darunter auch Steam.

"Postal" soll in anderen Stores erscheinen

Der Android-Port des Games soll jedoch trotzdem erscheinen, schreibt Running With Scissors. Zwar sei Google Play der wichtigste Kanal zur Verbreitung von Apps für die Plattform, man sehe sich nun aber nach Alternativen um – etwa den Humble Store oder Amazons Appstore. Selbst wenn "Postal" dort abgewiesen würde, könnte der Hersteller das Installationspaket immer noch selbst zum Download anbieten, Nutzer von Android-Geräten hätten dann die Möglichkeit, es per Sideloading zu installieren.

Derweil steht der Release eines weiteren Add-ons für "Postal 2" kurz bevor. Die Erweiterung mit dem Titel "Paradise Lost" erscheint am 17. April. (gpi, 08.04.2015)

  • Der "Postal Dude", Protagonist der Serie.
    foto: running with scissors

    Der "Postal Dude", Protagonist der Serie.

  • Ein Screenshot aus dem ersten "Postal" für Windows.
    foto: running with scissors

    Ein Screenshot aus dem ersten "Postal" für Windows.

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